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Im Wendekreis des Steinbocks

Wer vom „Wendekreis des Steinbocks“ hört, denkt wahrscheinlich gleich an Henry Millers gleichnamigen Roman: eine schonungslose Offenlegung des American Way of Life der 1920er Jahre in New York.

Andere mögen sich darunter eher bildlich vorstellen, wie die Höhenlagen der Alpen den Wendekreis des dort lebenden Steinbocks beeinflussen.

Dagegen würden Hobby-Astrologen den Steinbock als Tierkreiszeichen im zehnten Abschnitt des antiken Tierkreises auf der vom Frühlingspunkt ausgehenden ekliptikalen Länge von etwa 270° bis 300° suchen. … Wer jetzt sogar noch den Wendekreis bestimmen kann, wäre schon ein Profi seines Fachs.

Wenn bisher bei dem Einen oder der Anderen so etwas wie Verwirrung aufgekommen ist, dann hier von mir noch eine kleine Zugabe oben drauf: Der Wendekreis des Steinbocks hat nichts mit der Kurvenbewegung des Steinbocks, sondern mit der Rotation der Erde um die Sonne zu tun.

Südlich der Sahara findet man in Namibia, Botswana, Südafrika und Mozambique entlang des 23. Breitengrades (ca. 23°26’) verschiedentlich Hinweisschilder mit der Aufschrift: „Tropic of Capricorn“ (Wendekreis des Steinbocks). Viele fahren hier nur dran vorbei. Doch tatsächlich bieten sie dem Reisenden Gelegenheiten, mal einen Moment inne zu halten und über Phänomene der Natur zu sinnieren.

Der Wendekreis des Steinbocks ist die südlichste Stelle unseres Planeten, an dem die Sonne zum Mittag des Tages im Zenit steht. Es ist sozusagen die letzte Möglichkeit, senkrecht, direkt unter der Sonne z.B. einen Pfahl in den Boden zu rammen, ohne dass dieser einen nach links oder rechts abweichenden, sonnenbedingten Schatten bilden würde. Jeder Zentimeter weiter südlich von diesem Punkt würde automatisch einen Schatten in südlicher Richtung werfen, aber nie in nördlicher.

Der Wendekreis des Steinbocks ist die Stelle, wo sich aus unserer Erdenperspektive die Sonne zur Umkehr in Richtung Europa entscheidet. Man könnte meinen, dass sie es tut, weil weiter südlich nur die kalte Antarktis auf sie wartet, der sie nicht zu nahekommen möchte. Tatsächlich ist es aber so, dass wir ja um die Sonne kreisen, also wir uns von der Sonne wieder wegbewegen, als würde sie uns zu heiß werden.

Die Sonne erreicht diesen südlichsten Punkt am 21./22. Dezember. Für uns im südafrikanischen Raum der kalendarische Beginn des Sommers. Für den europäischen Raum der Start in die Winterzeit. Am 21. Juni erreicht die Sonne dann den nördlich gelegenen Wendekreis des Krebses, beschert euch damit in Europa den Sommer und uns hier unten den Winter.

Aber mehr noch: Solltet ihr einmal auf ein Schild stoßen, auf dem „Tropic of Capricorn“ geschrieben steht, dann wisst ihr automatisch noch eine Sache mehr. Nämlich, dass ihr von hier gerade mal nur noch gute 2609 Km bis zum Äquator vor euch habt und die Zone zwischen Schild und Äquator Tropengebiet ist.

Bleibt also noch die Frage, was das alles mit dem Steinbock zu tun hat. Nun – tatsächlich geht es hierbei um das Tierkreiszeichen. Bei Einführung der Sternbilder in der Antike durchlief die Sonne um die südliche Wendezeit herum das Sternbild des Steinbocks. Nichts ist aber mehr so, wie es mal war. Zu viele Abweichungen von alten Wegen sorgten dafür, dass sich die Sonnewende heute im Tierkreissternbild des Schützen abspielt.

Tja, da ist mal wieder der Beleg: Reisen bildet! – … In diesem Sinne also „auf nach Afrika“!

Juan Proll

Guide

Reisen war schon immer Juans große Leidenschaft: Drei Jahre in Lateinamerika, zwei Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie „Kurzreisen“ bis zu neun Monaten in Europa und Nordafrika. 2010 entschied er sich, seinen Beruf in Deutschland als Lehrer der Erwachsenenbildung und Leiter eines Kompetenzzentrums für Migrationsfragen an den Nagel zu hängen und in Südafrika Ranger zu werden. Seit 2011 ist Juan nun im südlichen Afrika unterwegs. Zunächst machte er seine Nature-Guide-Ausbildung und arbeitete in einem ‚Big Five‘ Wildreservat, bevor er Mitte 2013 zu Elefant-Tours wechselte. Mit weiteren Ausbildungen und intensivem Selbststudium zum Cultural Guide in Südafrika und Namibia hat Juan seitdem sein Wirkungsfeld über die Tierwelt hinaus auf „Land & Leute“ in Südafrika und Namibia ausgedehnt. Juan ist Mitglied im Berufsverband „Field Guides Association of Southern Africa“. In unserem Blog schreibt er darüber hinaus über den afrikanischen Alltag in unseren Reiseländern, er informiert über Hintergründe, gibt Reisetipps und verrät kulinarische Besonderheiten.

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