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Veröffentlicht am 11. April 2022 von Juan Proll

Wo kann man auf La Réunion wandern – auf der Nordseite unterwegs

La Réunion ist als französische Übersee-Provinz östlich von Madagaskar der südlichste Teil der EU. Der bunte Menschen-Mix spricht französisch und zahlt mit Euro. Das Insel-Juwel im Indischen Ozean bietet Traumstrände, Urwälder und beeindruckende Vulkanlandschaften. Heute stelle ich euch tolle Routen im Nordteil der Insel vor, wo man auf La Réunion wandern kann.

Piton des Neiges Ausblick La Réunion
Spektakuläre Aussichten erwarten dich auf einer Wanderung zum Gipfel des Piton des Neiges.

Wandern auf La Réunion – ein Nationalpark der Extra-Klasse

Schon im Blog zum Thema „Urlaub auf La Réunion“ habe ich davon berichtet, dass knapp 42 Prozent der Insel heute nicht nur Nationalpark, sondern auch UNESCO-Weltnaturerbe sind. In dem geschützten Gebiet findet sich der allergrößte Teil von mehr als 900 km markierten Wanderwegen. Sie durchqueren so unterschiedliche Landschaften wie alpines Berggelände und tiefe Talkessel, Regenwälder und Vulkanfelder. Es geht Flussläufen entlang, vorbei an Wasserfällen, durch Zuckerrohrplantagen bis hin zu einsamen Meeresbuchten und Sandstränden. Kürzere und längere Wanderstrecken bis hin zu mehrtägigen Fernwanderwegen mit Berghütten bieten so viel landschaftliche Abwechslung wie Paris an Sehenswürdigkeiten.

Der natürliche Reichtum des Nationalparks erklärt sich aus seinem vulkanischen Ursprung. Als sich vor ca. 3 Millionen Jahren der Vulkan Piton des Neiges aus den Tiefen des Meeres empor hob und sich bis auf 3.070 m über dem Meeresspiegel der Sonne entgegenstreckte, begannen Wind, Wasser und Temperaturen mit ihren Erosionskräften die Insel zu formen. Eine zerklüftete und dramatische Landschaft von beeindruckender Schönheit entstand. Gleichzeitig bewässerte das regenreiche Klima die üppige Vegetation der Meeresoase. Tiefe Schluchten und Bergwälder, idyllische Flussläufe und Wasserfälle erfreuen heute das Auge – und sind tolle Orte, wo man auf La Réunion wandern kann.

Idyllisches Dorf La Réunion Wanderung
Bei Wanderungen auf La Réunion kommt ihr an idyllischen Bergdörfern vorbei.

Doch damit nicht genug. Ein weiterer Vulkan-Ableger brodelte sich auf 2.632 m Höhe einen Weg aus der Enge der Erdkruste, der Piton de la Fournaise. Er ist heute einer der aktivsten Vulkane der Welt und lieferte seit 1950 bereits über 50 Eruptionen. Zuletzt bot er Anfang Januar 2022 atemberaubende Bilder überschwappender Glut und zunächst südwärts strömender Lava. Für Reisende aus aller Welt ist dieser Vulkan zu einer wahren Pilgerstätte geworden. Dafür richtete die Übersee-Regierung sogar extra einen Entdeckungspfad ein.

Doch dem quicklebendigen Piton de la Fournaise und der Umgebung mit seinen Wandermöglichkeiten widmen wir uns erst demnächst in einem eigenen Blog. Heute geht es mit dem lieblich schlummernden Piton des Neiges weiter.

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Piton des Neiges und seine Talkessel

Natürlich ist es mir unmöglich, im Rahmen dieses Blogs alle Wander-Touren zu beschreiben. Ein paar Empfehlungen müssen reichen. Sie sollen euch auf den Geschmack bringen. Wandern kann man auf La Réunion tagelang und ununterbrochen. Besonders empfehlenswert sind die drei Talkessel („Caldera“) der Nord-Insel: Salazie, Mafate und Cilaos.

Der Cilaos-Kessel ist der größte und bevölkerungsreichste. Er ist der Hauptausgangspunkt für die Besteigung des Piton des Neiges, dem höchsten Gipfel der Insel. Salazie ist der zugänglichste und vegetationsreichste Kessel. Hier erwartet euch unberührte Natur mit zahlreichen Wasserfällen. Mafate ist mit seinen mehr als 140 Kilometer Pfaden vor allem deshalb ein Wanderparadies, weil es nur zu Fuß oder mit dem Helikopter erreichbar ist.

Cirque de Mafate La Réunion
Der berühmte und viel fotografierte Blick in den Cirque de Mafate Talkessel.

Wo kann man auf La Réunion wandern – ein Tourenvorschlag im Norden

Nach der Landung auf der „Insel der Zusammenkunft“ könntet ihr gleich an die Westküste, zum Beispiel nach Saint-Gilles-Les-Bains. Hier habt ihr sofort die Möglichkeit, bei einem schönen Strandspaziergang eure Füße in den Indischen Ozean zu tauchen. Für die vielen bevorstehenden Wanderungen heißt es schließlich, gerade den Füßen viel Gutes zu tun.

Frisch ausgeruht und von einem guten Frühstück gestärkt könnte es dann am Morgen von Tag 1 der Wanderung in das Mafate-Tal gehen. Lasst dafür das Hauptgepäck in der Gepäckaufbewahrung des Hotels zurück und packt nur euren Wanderrucksack mit Wasser, Snacks, Regenjacke, Stirnlampe und dem, was ihr sonst noch für ein paar Tage „da draußen“ braucht. Zu meiner Packliste Wandern gehört immer auch eine gold- und silberfolienbeschichtete Rettungsdecke. Man weiß ja nie, nicht wahr?

Ein Transfer könnte euch dann zum Ausgangspunkt der Wanderung zum „Col des Boeufs“-Pass bringen. Die Wanderung beginnt von der Seite des Salazie-Talkessels und führt hinauf auf 1956 m. Vom höchsten Punkt des Passes könnt ihr euren ersten atemberaubenden Ausblick über die vulkangeformte Caldera-Landschaft der Insel genießen. Col des Boeufs verbindet den Salazie- mit dem Mafate-Talkessel. Von dort wandert ihr je nach Gangart etwa drei Stunden durch grüne Wälder bergab bis zum Örtchen La Nouvelle in der Mafate.

Bäckerei La Nouvelle Mafate Talkessel
Eine Bäckerei im idyllischen Bergdorf La Nouvelle auf einer Wanderung im Mafate Talkessel.

Hier erwartet euch eine „Gite”, also eine einfache Berghütte. Die Fußmassage am Abend müsst ihr euch selbst geben, das Abendessen – meist ein traditionelles „Carry“ – serviert der Koch oder die Köchin des Hauses. Das Carry (oder auch „Cari“) bildet das Fundament der kreolischen Küche und besteht aus Fleisch oder Fisch, mit Tomaten Zwiebeln, Kurkuma, lokalem Safran, manchmal auch Ingwer sowie weiteren Gewürzen und Zutaten. Ihr werdet es bestimmt doppelt genießen, wenn ihr bedenkt, dass für die Versorgung des Ortes alles per Hubschrauber eingeflogen wird, weil es keinen Straßenzugang gibt.

Wenn euch am Morgen von Tag 2 der Sonnenaufgang mit seinem Farbenspiel beschenkt und ein deftiges Frühstück euch belebt hat, dann geht es weiter nach Marla. Ihr könnt natürlich die direkte Route dorthin wählen, die etwa zwei Stunden dauert. Meine Empfehlung ist aber die alternative Route über „Trois Roches“. Die dauert zwar etwa zwischen vier bis fünf Stunden, führt aber durch eine tiefe, beeindruckende Schlucht, die sich noch dazu ideal für einen Picknick-Stopp anbietet. Hier liegt dem Basalt der Flusssohle des Rivière des Galets eine äußerst harte und extrem polierte Lava auf. Wie gewachst schießt der Fluss darüber, hinein in eine tiefe Kluft, von wo es in einem schönen Wasserfall über die Klippe stürzt. Davor thronen drei riesige Basaltblöcke: Les Trois Roches.

Die Route ist sehr abwechslungsreich, führt durch Wälder und Flusstäler bergauf und bergab. Am Ende des Tages wisst ihr, was ihr gemacht habt und freut euch sicher auf die nächste „Gite“ – heute im leicht überschaubaren Ort Marla.

Tag 3 beginnt früh. Die längste Wanderetappe dieser Tour steht bevor. Über den Gebirgspass „Col du Taïbit“ auf 2.081 m Höhe führt euch die Wanderung heute vom Mafate- in den Cilaos-Talkessel bis in den Ort Cilaos. Unterwegs sind natürlich wieder herrliche Aussichten möglich. Das gilt insbesondere für den Pass. Hier oben seht ihr nicht nur Kanninchenköttel, wie der Name Taïbit (vom madagassischen „taibitro“) suggeriert, sondern wieder einmal schönste Caldera-Landschaften mit ihren steil aufragenden Felshängen.

Es geht auch vorbei an der „Îlet des Salazes“. In dieser verlassenen Gegend bauen die Einheimischen Kräutertee an. Auf der Spitze des Kamms darüber wuchern seltsame Felsenzähne – wieder einmal eine besondere Kreation der Natur: Les Trois Salazes.

Das kleine, idyllisch gelegene Städtchen Cilaos bietet bereits ein paar spannende Ausblicke auf eure nächste Wanderroute: den Aufstieg zum Piton des Neiges. Er ist schon eine echte Herausforderung. Also gönnt euch am Abend eines der netten Restaurants, genießt das leckere Essen und lasst den erlebnisreichen Tag entspannt ausklingen.

Wanderweg Piton des Neiges
Für eine Wanderung auf den Piton des Neiges solltet ihr ausdauernd und trittfest sein – es geht steil bergauf.

Wenn ihr am Tag 4 startbereit seid, fahrt ihr zuerst einige Minuten mit dem Bus zum Wandereinstieg „Le Bloc”. Dort beginnt die erste Etappe zum Vulkan-Gipfel des „Piton des Neiges“. Es sind gut 1.340 Höhenmeter bis zu eurer gipfelnahen Berghütte. Aber … der Weg ist das Ziel. Und so geht es je nach Tempo und Pausen etwa drei bis fünf Stunden über Stock und Stein, viele treppenartige Stufen und in Serpentinen nach oben. Anfangs durch einen malerischen Bergwald, später durch niedrige Strauchvegetation und immer wieder vorbei an atemberaubenden Aussichtspunkten. Von der Landschaft unterwegs kann man nicht genug bekommen. An Schlaf in dieser Nacht sicher auch nicht.

Am Morgen von Tag 5 ist es soweit: Es geht raus und hinauf zum Gipfel. Ihr müsst den Aufgang vor der Sonne schaffen. Das heißt ca. 2 Stunden mit dem Licht der Stirnlampe die letzten 592 Höhenmeter tapfer nach oben marschieren. Gutes Timing ist wichtig. Natürlich wollt ihr nicht zu spät dran sein. Aber zu früh ist auch nicht gut. Es könnte bedeuten, sich dort oben den A……llerwertesten abzufrieren. Wenn dann jedoch auch die Sonne ihre morgendliche Etappe geschafft hat und ihren Aufstieg mit einem breiten Strahlen feiert, eröffnen sich euch spektakuläre Aussichten über die gesamte Insel von Küste zu Küste.

Ausblick Piton des Neiges Sonnenaufgang
Rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Piton des Neiges.

Nehmt euch die Zeit, es zu genießen, denn so schnell kommt ihr wahrscheinlich nicht mehr hierher. Nur wird der Magen vielleicht irgendwann mucken und nach einem Frühstück schreien. „Kein Problem“, könnt ihr ihn beruhigen, denn auf dem Weg nach unten geht es zunächst einmal wieder in die Gite. Hier erwartet euch ein leckeres „petit-déjeuner“. Danach geht der Abstieg für weitere ca. 4 Stunden weiter, bis ihr am Nachmittag wieder in der Unterkunft der vorletzten Nacht seid. Bei dem Abendessen heute könnt ihr dann auch entspannt miteinander anstoßen und ausgiebig von euren Erlebnissen erzählen. Erst am nächsten Morgen geht es wieder per Transfer zu dem Hotel, wo die Wanderung begann.

Wandern auf La Réunion – Wichtige Hinweise

  • Generell sind die Wege gut ausgeschildert und ihr könnt sie prima in Eigenregie ohne einen Guide abwandern.
  • Bergsteigerische Fähigkeiten braucht ihr auch keine, eine gute körperliche Fitness und Kondition für Tagesetappen von vier bis sieben Stunden aber schon. Trittsicherheit, auch im feuchten und rutschigen Gelände, ist Voraussetzung.
  • Die hier erwähnten Touren sind nicht empfehlenswert für Kinder unter 8 Jahren.
  • Und für die persönliche Sicherheit solltet ihr die Wanderungen mindestens zu zweit durchführen. Wer alleine unterwegs ist, dem empfehle ich zumindest, die Unterkunft in die Wanderpläne einzuweihen.

La Réunion ist ein Wanderparadies im Indischen Ozean. Wir stehen daher gerne für Rückfragen und zur Unterstützung bei der Planung deiner Wanderreise auf La Réunion bereit. Also melde dich bei uns! Dein Traum, unsere Expertise – Dein ganz individuelles La-Réunion-Erlebnis.