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Swasiland – ein Königreich in Afrika

Es fasziniert mich immer wieder zu erleben, wie groß das Interesse der Menschen in Europa an den Königshäusern der Region ist. Ob England, Spanien, Schweden oder Holland – kaum öffnen sie den Medien ihre hoheitlichen  Tore, schon strömen Millionen von Zuschauern, Zuhörern und Lesern hinein, beobachten in stundenlangen Live-Übertragungen deren Feierlichkeiten, lauschen den von den Palastwänden hallenden Neuigkeiten oder betrachten fotografische Alltäglichkeiten. Royal ist in … und wer in seinem Urlaub darauf nicht verzichten möchte, dem empfehle ich Swasiland.

Swasiland ist etwas größer als die Steiermark und nur unwesentlich kleiner als Sachsen. Es wird allerdings nicht parlamentarisch geführt sondern in absoluter Monarchie regiert. Es gilt als das letzte Land seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent. König Mswati III. schwingt dort das Zepter in einer Nation, das seine Unabhängigkeit im Jahre 1968 erhielt und bis heute Parteien befreit den alten Traditionen frönt. Umschlossen von Südafrika und Mozambique hält sich zumindest in der Herrschaftsstruktur jahrhundertealte Stammeskultur. Der Demokratisierungsprozess schreitet nur sehr langsam voran und würde die Mehrheit des Volkes mit seinen rund 1,2 Mio. Einwohnern nicht hinter ihrem König stehen, dann wäre es sicher schon längst die nächste Bastion einer entschlossenen Reformbewegung. Die Menschen wollen und brauchen Veränderungen gegen die zunehmende Verarmung und wirtschaftliche Not des Landes, jedoch wollen sie dafür – so scheint es – „Ihre Majestät“ nur ungern vom Throne stürzen.

Demokratie auf Swasiländisch

Seit 2005 gibt es zwar eine hoffnungsvolle Verfassung, aber bisher klaffen darin zu viele Lücken. So ist z.B. kein reguliertes Parteiensystem konstitutionalisiert. Die demokratischen Parteien, die es gibt, agieren von ihrem Exil in den Nachbarländern. In ihrer Heimat fallen sie unter den Terrorismus-Erlass, weil das Königshaus im Parteiensystem eine Kollision mit den bestehenden Traditionen sieht. Dennoch gibt es alle 5 Jahre Parlamentswahlen. Wie das sein kann? Nun …, es werden Einzelpersonen aus 55 Wahldistrikten gewählt. Diesen Distrikten stehen allerdings königstreue Häuptlinge vor. Dessen Segen müssen sich die Wahlkandidaten erst einmal verdienen. Dass deren Loyalität zum Königreich dabei eine wichtige Voraussetzung ist, kann man sicher leicht erahnen. Zur Sicherheit bestimmt der König selbst noch einmal 10 weitere Mitglieder der insgesamt 65-köpfigen Nationalversammlung. In dem 2-Kammer-Parlament gibt es aber neben der Nationalversammlung auch noch einen Senat mit 30 Senatoren, von denen der König 20 ernennt und 10 aus der Nationalversammlung rekrutiert werden.

Naturlandschaften

Ja, das Leben tickt hier anders. Doch auch die Landschaft bietet bemerkenswerte Perspektiven. Das Hochland im Westen des Landes, dessen höchste Erhebung der Emlembe mit  1.862 Meter ist, geht in die südafrikanischen Drakensberge über. Die zumeist von Gras bewachsene oder von Wäldern bedeckte Szenerie ist auch die Region, in der die Hauptstadt Mbabane liegt. Das Mittelland besteht dagegen aus fruchtbaren Hügeln. Hier liegt mit Manzini auch die größte Stadt Swasilands. Nach Osten hin schließt sich das Tiefland an, das weitestgehend aus Buschland besteht und vor allem zum Zuckerrohr-Anbau genutzt wird. Immer wieder öffnen sich wunderschöne Panoramalandschaften mit einer beruhigenden Ausstrahlung, die sehr zum Verweilen einlädt. So z.B. im Naturschutzreservat Mlilwane Wildlife Sanctuary, das man wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad, wahlweise auch mit dem Pferd erkunden kann. Gefährliche Raubtiere gibt es hier nicht, dafür aber reichlich Antilopen, Zebras und Giraffen im Umfeld von Bachläufen und Seen, in denen übrigens sogar Hippos zuhause sind.

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Kultur pur

Auch kulturell bekommt man eine Menge geboten. So empfehle ich z.B. gerne die Kerzenfabrik, wo man nicht nur die Herstellung handgefertigter, wunderschön verzierter Kerzen in traditioneller „Millefiori“ Technik bewundern, sondern auch leicht Kontakt zu den Künstlern herstellen kann.

Einen guten Ausschnitt traditioneller Kultur ermöglicht ebenfalls das Mantenga Cultural Village. Als „lebendes“ Museum präsentiert es Swasi-Lifestyle aus dem 19. Jahrhundert und die Besucher sind eingeladen, für einen Moment diese Zeit zu leben und z.B. Korn zu bearbeiten, Gras zu plätten, oder mit den Dorf-Bewohnern zu singen und zu tanzen.

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Wer seine Reisezeit besonders gut „timt“ und auf Mitte bis Ende August ausrichtet, der hat die Chance, die jährlich über mehrere Tage stattfindende Umhlanga-Schilftanz-Zeremonie mitzuerleben. Zehntausende von Jungfrauen aus dem gesamten Königreich im Alter zwischen 5 und Anfang 20 nehmen daran teil, darunter auch die Töchter des Königs. Zunächst pflücken sie Schilf an den Fluss- und Seeufern, welches sie der Mutter des Königs als symbolischen Arbeitstribut übergeben. Es dient der Reparatur jener königlichen Besitztümer, die in traditionellen Hütten und Zäunen bestehen. Danach verbringen sie Tage der Ruhe und Vorbereitung auf den Höhepunkt der Festlichkeiten: Dekoriert in selbst gefertigtem Schmuck und gekleidet in Perlen besetzten Röcken sowie farbenfrohen Schärpen – die Oberschenkel und Brüste ausgespart – singen und tanzen sie zur Freude ihrer Zuschauer und in Erwartung des Königs. Erst wenn „Seine Hoheit“ mit seinem Gefolge durch die Reihen gelaufen ist und für Sekunden seine persönliche Aufwartung gemacht hat, geht der feierliche Brauch seinem Ende entgegen.

Nicht selten bestimmt der König aus den Reihen dieser Jungfrauen seine nächste Braut. Es heißt, er habe inzwischen schon mindestens 15 Auserwählte in seinem Harem. Bedenkt man sein Alter von 46 Jahren, so ist wohl zu vermuten, dass noch so manche unbedarfte junge Swasiländerin in den goldenen Käfig seiner königlichen Gemächer landen wird. Aber dies ist Stoff, aus dem der Hofklatsch ist und von dem ihr sicherlich eine ganze Menge aus eurem Urlaub mitnehmen werdet, noch bevor Queen E‘s nächste Geburtstagsparade in England anrollt. Bleibt mir also nur noch die Bitte an euch, der interessierten Blog-Gemeinde eure ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen nicht vorzuenthalten.

Lieben Gruß

Juan

Juan Proll

Guide

Reisen war schon immer Juans große Leidenschaft: 3 Jahre in Lateinamerika, 2 Jahre in Südostasien und Ozeanien sowie „Kurzreisen“ bis zu 9 Monaten in Europa und Nordafrika. 2010 entschied er sich, seinen Beruf in Deutschland als Lehrer der Erwachsenenbildung und Leiter eines Kompetenzzentrums für Migrationsfragen an den Nagel zu hängen und in Südafrika Ranger bzw. Nature Guide zu werden. Seit 2011 ist Juan nun im südlichen Afrika unterwegs. Zunächst machte er seine Nature-Guide-Ausbildung in einem ‚Big Five‘ Wildreservat und verbrachte dort sein erstes Berufsjahr, bevor er Mitte 2013 zu Elefant-Tours wechselte und seitdem sein Wirkungsfeld als Guide auch auf die Tierwelten und Naturlandschaften der Nachbarländer Südafrikas ausdehnte. Juan ist Mitglied im Berufsverband „Field Guides Association of Southern Africa“. In unserem Blog schreibt er darüber hinaus über den afrikanischen Alltag in unseren Reiseländern, er informiert über Hintergründe, gibt Reisetipps und verrät kulinarische Besonderheiten.

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