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Veröffentlicht am 2. März 2015 von Juan Proll

Der Überlebenskampf des Nashorns

Wieder einmal toppt die Statistik des letzten Jahres (2014) die der vorherigen: In Südafrika – dort, wo über 80 % der weltweiten Nashorn-Population zuhause ist – nehmen Wilderer auf ihrer gnadenlosen Jagd nach kostbarem Nasen-Horn den Tod von 1.215 Rhinozerossen billigend in Kauf.

Bereits im Jahr 2013 wurde mit 1004 getöteten Hornträgern die Tausender Schallmauer überschritten. Diese Zahlen sind beunruhigend. Nicht nur, weil es überhaupt passiert, sondern auch, weil es trotz steigender Sicherheitsmaßnahmen und –ausgaben im ganzen Land nicht zu verhindern zu sein scheint. Im Krüger Nationalpark wurde im letzten Jahr sogar verstärkt das Militär eingesetzt und dennoch war es erneut das Schutzgebiet mit den meisten getöteten Nashörnern.

Ich frage mich manchmal, wie lange ich unseren Gästen überhaupt noch diese wundervollen Kreaturen der Schöpfung auf unseren Touren zeigen kann.

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Das geraubte Horn wird sowohl für die Ornament-Herstellung (z.B. Messergriffe in Nepal) wie auch für medizinische Zwecke genutzt. Hauptabnehmer sind Kunden in China und Vietnam. Sie schreiben den Hörnern sagenumwobene Heilkräfte zu. In Vietnam glaubt man sogar, dass es selbst gegen Krebsleiden hilft. Auf dem Schwarzmarkt sind unglaubliche Summen von über 60.000,- USD pro Kg zu verdienen. Dabei sprechen Ergebnisse medizinischer Forschungen klar gegen die unterstellte Wirkungsfähigkeit. Kein Wunder, denn das Horn enthält neben Spurenelementen wie Kalzium und Melanin vor allem Keratine, ein wasserlösliches Faserprotein, das auch den Hauptbestandteil unserer Haare und Nägel ausmacht.

Gegenmaßnahmen

Noch verbleiben weltweit rund 28.000 Nashörner. Längst hat der intensive Kampf um das Überleben dieser Uhrzeittiere begonnen. Private wie staatliche Organisationen bin hin zu Regierungen investieren Millionen in den Schutz der Spezies. Sie suchen neben den unverzichtbaren Sofortmaßnahmen vor allem nachhaltige Lösungen. Auf der großen politischen Bühne denkt man u. a. über die vermeintlich heilende Wirkung einer Legalisierung des Handels mit Rhinozeros-Horn nach. Nach dem Motto „Lieber legal züchten als illegal abschlachten“ will man der organisierten Kriminalität das Geschäft aus der Hand nehmen. Ebenso diskutiert man die Ausweitung von Jagdrechten, um damit verbundene, größere Einnahmen aus dem Trophäengeschäft in den teuren Artenschutz fließen zu lassen – also Nashörner töten, um Nashörner zu retten. Die Debatten werden sehr kontrovers geführt und ihr Ausgang ist ungewiss.

Viele private Wildreservate haben nicht einmal ausreichende finanzielle Ressourcen, um den speziellen  Schutz ihrer Tiere zu gewährleisten. Für sie ist häufig die Option der Wahl, gar nicht zu handeln und weiterhin auf das Glück vertrauen. Die wirtschaftliche Rechnung ist hier sehr einfach: ein Nashorn kostet rund 30.000,- USD, ein vernünftiges Sicherheitssystem ein Vielfaches mehr.

Der Verkauf und damit die Sicherung wenigstens dieser 30.000,- USD ist eine ebenso gerne genutzte Variante – lebend bringt ein Tier eben mehr als tot und ohne Nashorn zu sein, schont die Nerven.

Ein weiteres Mittel ist das Stutzen der Hörner. Denn – so der Gedanke – wo kein Horn, da auch keine Schlächter.

Selbst eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen unter Einbeziehung von Wissenschaft und Technik findet Verwendung: Hierzu werden drei verschiedene Substanzen in das Horn gespritzt. Eine Substanz davon ist ein Färbemittel, das auch zur Verfolgung geraubter Geldscheine eingesetzt wird. Es koloriert das Horninnere in einer Weise, die es bei der Verarbeitung zu dekorativen Elementen angeblich unattraktiv macht, weil es nicht mehr seine „natürliche“ Tönung hat. Die nächste Substanz ist ein Kontrastmittel, das sofort ins Auge springt, wenn das Gepäck, in dem sich geraubtes Horn befindet, geröntgt wird. Die letzte Substanz ist eine Art Brechmittel, das jeglichen Konsum von pulverisiertem oder in Tabletten gepresstem Nasenhorn-Material ungenießbar macht. Eine solche Maßnahmen-Kombination braucht aber begleitend eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit, damit potenzielle Nashorn-Jäger von diesen Präventiv-Maßnahmen erfahren und gar nicht erst in Versuchung kommen. Außerdem muss diese Prozedur etwa alle drei bis fünf Jahre wiederholt werden, da das Horn ständig nachwächst. Es ist dann wie mit gefärbten Haaren: Irgendwann ist die Tönung herausgewachsen und neue Farbe muss in die Frisur.

Fazit

Mein Fazit: So zahlreich die Maßnahmen, um zu schützen, so bescheiden bisher die Erfahrungen, ob sie nützen. Wie sehr wünsche ich mir also, dass dieser legendengespeiste Wahnsinn um den verhornten Nasenaufsatz des Rhinozerosses endlich ein Ende findet. Ich wäre bis dahin natürlich bereit, für medizinische Belange jeden Monat meine geschnittenen Finger- und Fußnägel zu spenden. Wenn ihr alle mitmachen würdet, kämen wir vielleicht sogar auf eine Menge, die das Nashorn schnell vergessen lässt.