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Veröffentlicht am 6. Juli 2015 von Juan Proll

The Big Migration

Eines der größten Naturschauspiele unserer Zeit in einem der sehenswertesten Freilichttheater der Welt ist die Große Wanderung der Tiere durch die Steppen und Flüsse der Serengeti und Masai Mara. Die Protagonisten: rund 1,5 Millionen wanderfeste Gnus in der Begleitung von einigen Hunderttausend Zebras, Thomson‘s Gazellen und Eland-Antilopen. Die Gegenspieler: festlich gestimmte Löwen, Hyänen, Krokodile und andere Fleischfresser, die mit sabbernden Mäulern der jährlichen Durchreise entgegenfiebern.

Das Drehbuch der Big Migration umspannt alle Genres der Filmindustrie und könnte Steven Spielberg als Vorlage für eine familienfreundliche Drama-Fassung ebenso dienen wie als Thriller- oder Horror-Version. Unbeschreiblich sind die Eindrücke, die man auf einer Safari von einem Jeep aus haben kann, wenn man die Menge dieser Tiere vor sich hat – z.B. um den Februar herum in der südöstlichen Serengeti bis hinein in die Ngorongoro Conservation Area. Hier erscheint selbst die immense Weite nicht Raum genug zu sein.

Friedlich knabbern die Riesenherden am saftigen Grün. Doch ein genauerer Blick in diese Masse hinein, enthüllt die Sicht auf unzählige Mengen von gebärenden Gnu-Weibchen und riesige Scharen von Jungtieren, geschätzte 400.000, deren Leben gerade beginnt. In nur 2 bis 7 Minuten (so schnell wie keine andere Antilopen-Gattung) stehen die Neugeborenen auf ihren Beinen und springen vergnügt durch die Gegend. Wenig später testen sie schon Mamis Brust … hier, dort, überall. Schnell brauchen sie die notwendige Kraft für ihre kurz bevorstehende erste ‚Große Wanderung‘. Viele aber überleben nicht bis dahin und werden bereits in den ersten Wochen von der Grausamkeit der Naturgesetze und den Tod bringenden Raubtieren überrascht.

Wenn irgendwann um März herum das Gras austrocknet, heißt es für die große Tiergemeinschaft aufzubrechen in neue Futterregionen. Vieles deutet darauf hin, dass ihr Wandertrieb wetterbedingt ist und sie dem Regen mit dem einher gehenden frischen Graswuchs folgen. Für die meisten bedeutet das einen ca. 3000 km langen Rundgang im Uhrzeigersinn über ein Gebiet von etwa 40.000 qkm, ehe sie wieder dorthin kommen, wo sie einst das Licht des Lebens erblickten. Auch ohne die Raubtiere ist dieser Weg strapaziös und immer wieder sterben Tiere aufgrund von Krankheit, Erschöpfung oder Mangelernährung. Am Ende sind es mehrere Zehntausende migrationswilliger Tiere, die, warum auch immer, nicht überleben.

Im Mai/Juni ist der Großteil der Wandergemeinde bis tief in den westlichen Korridor der Serengeti vorgedrungen und feiert dieses Ereignis mit einer ausgiebigen Brunftzeit. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler und die Vollmondnächte intensiver. Zeit also, sich näher zu kommen und das Angenehme mit dem Praktischen zu verbinden; Zeit, an den Nachwuchs zu denken und sich über die Kinderplanung zu verständigen; Zeit sich ans Werk zu machen, damit die Jungtiere ihren Geburtstermin im folgenden Februar nicht verpassen; Zeit für den natürlichen Prozess des „Besteigen-und-bestiegen-werden“, zu Hunderten, zu Tausenden – es ist die Dimension, die beeindruckt.

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Sobald sich die Tiere von der westlichen Serengeti Tansanias nördlich in Richtung Kenias Masai Mara weiterbewegen, erreichen sie irgendwann die großen Flüsse, den Grumeti und die Mara. Die Flussüberquerungen gehören zu den größten Herausforderungen aller, die der Big Migration folgen. Hier kommt es zu den Massenaufläufen, die schon beim bloßen Zuschauen Panik auslösen können. Hier reißen die Krokodil verseuchten Gewässer und z.T. starken Strömungen Jungtiere und Mütter auseinander. Und hier ist es schließlich auch, wo Dokumentarfilmer die tragischsten Szenen drehen, wenn die Tiere hohe und steile Böschungen hinunterstürzen, im Fluss ertrinken oder von ausgehungerten Krokodilen geschnappt und gefressen werden. Und dennoch: es wirkt so ansteckend dynamisch und entschlossen, wenn die Tiere ins Wasser springen und nicht einmal die Krokodile sie wirklich aufhalten können. Es hat manchmal sogar was von Situationskomik, wenn in den flacheren Bereichen die Hufe der Gnus auf die Schnauzen der lauernden Flussmonster niederschmettern, … einmal, zweimal, dreimal …, und den ab- und auftauchenden Gesichtern regelrecht anzusehen ist, dass sie sich ihre Mahlzeit etwas mundgerechter vorgestellt haben.

Diese dramatische Zeit steht nun kurz bevor. Alljährlich um Juli und August herum sterben allein hier Hunderte oder gar Tausende von Antilopen und Zebras an den Ufern und in den Gewässern. Doch noch mehr überleben und schaffen es, den Zirkel zu schließen und glücklich an ihren Geburtsort zurückzukehren – für ein bisschen Erholung und Entspannung und für die neuerliche Verstärkung mit Nachwuchs, bevor es in die nächste Runde geht.

Wie gern würde ich mal der Big Migration über einen längeren Zeitraum bis hin zur Mara River Überquerung folgen. Aber da sich die Tiere lieber nach dem unvorhersehbaren Wetterzyklus richten als nach meinen Urlaubsvorstellungen, halten sie eben keinen Fahrplan ein, wie es in Deutschland die Busse tun und die Züge versuchen. Das macht die Planung schwierig und artet daher schnell in eine Art Reiselotto aus … aber … „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ Und irgendwann werde ich es ganz bestimmt versuchen.

In diesem Sinne, liebe Freunde des Blogs: Auf in die Serengeti!

Eine Portion Extra-Spaß bietet das Gnu-Song-Video aus der Muppet-Show unter:
http://www.gnuworld.co.za/gnu-animals/