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Veröffentlicht am 25. April 2016 von Juan Proll

Der Marula Baum und das Märchen vom betrunkenen Elefanten

Nicht umsonst heißt der Marula Baum auch Elefantenbaum. Die Dickhäuter lieben die pflaumengroßen, goldgelben Früchte des Gewächses. Was nicht wild geerntet und zu Amarula-Likör verarbeitet oder direkt als Obst verzehrt wird, landet nur allzu gerne in den riesigen Schlünden der tonnenschweren Vierbeiner.
Eigentlich nichts Besonderes wäre da nicht der berühmte Filmklassiker „Die lustige Welt der Tiere“, in dem zu sehen ist, wie Elefanten nach ihrem Marula-Baum-Mahl torkelnd durch die afrikanische Savanne laufen.

Man fragt sich, was passiert ist und ob die hilflos Tritt suchenden Kreaturen vielleicht eher vom Likör getrunken als von der Frucht gegessen haben. In der Videofassung der Dokumentation würde man heute erst mal wieder zurückspulen, um sicher zu gehen, dass man nicht irgendein Detail übersehen hat. Aber nein – es entsteht tatsächlich der Eindruck, dass der Konsum der Früchte beschwipst macht und der Marula Baum sozusagen die Buschkneipe um die Ecke ist, bei der man sich zum Besäufnis trifft.

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Tolle Bilder zeigt der Film und selten habe ich so herzlich über Verhalten in der Tierwelt gelacht. Und ja – gar nicht so weit hergeholt mit dem Besäufnis via Marula-Frucht, da sie schnell verderblich ist und sehr schnell in Gährung übergeht. Das gilt insbesondere für die abgefallenen Früchte, die im Verlauf der Gährungsprozesse bis zu etwa 3% Alkoholgehalt entwickeln. Und da Elefanten nicht nur vom Baum sondern auch vom Boden fressen … warum also nicht angeheitert weiterziehen?

Die eher drögen Freunde der Wissenschaft taten sich seit der Veröffentlichung dieser Fernsehbilder nicht so leicht mit dieser „humanisierten“ Darstellung des Elefantenlebens und bemühten sich verstärkt um Erklärungen. Und siehe da – was dabei herauskam, ist ebenfalls hoch interessant:

Britische Forscher der Universität Bristol glauben herausgefunden zu haben, dass nicht die Frucht den Sündenfall provoziert. Abgeleitet von menschlichen Voraussetzungen müsste ein 3000kg schwerer Elefant etwa 10 bis 27 Liter eines 7%igen Alkohols (Ethanol) in kürzester Zeit ohne sonstige Aufnahme von Wasser zu sich nehmen, um schließlich Symptome des Angetrunkenseins aufzuweisen. Eine Dosis, die – wie die Forscher zu bedenken geben – über die kleinen Marula-Früchte nicht aufgenommen werden kann, es sei denn die Dickhäuter würden allein davon etwa das 400fache ihres täglichen Nahrungsbedarfes futtern.

Wenn dem so ist, stellt sich natürlich die Frage, was denn sonst dieses Verhalten verursacht haben könnte. Und auch dazu bietet die Forschergruppe eine Antwort: Das Geheimnis steckt in der Rinde des Baumes.

Elefanten fressen gerne auch Baumrinde. In der Rinde des Marula Baumes scheint aber eine bestimmte Käfergruppe zu leben, dessen Puppen giftig sind und traditionell für die Herstellung giftiger Pfeilspitzen verwendet wurde. Wenn Elefanten diese Rinde verschlingen, ohne sie vorher gründlich abzuwaschen, dürften sie diese toxischen Elemente wohl ungewollt mit verspeisen. Und ja … ihr Gift scheint sogar Elefanten umzuhauen.