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Veröffentlicht am 24. November 2014 von Juan Proll

Ebola – Ja und?

Auf den letzten „Elefant- Tours“ mit Gruppen in Namibia wiederholte sich das Thema Ebola häufiger als meine Lieblingsmusik im Radiosender. Mit jeder Reise wurde das Thema noch aktueller und der Virus bedrohlicher. Europa und die USA haben nun auch ihre eigenen Ebola-Fälle und irgendwie verlieren selbst Hollywood-Filme wie „Carriers“ (2009) oder „I am Legend“ (2007) ihren Schrecken, weil die Realität doch viel grausamer erscheint.

Bei einer der Touren wurde ich gefragt, ob ich selbst derzeit in eines der westafrikanischen Länder fahren würde, wo der Ebola-Virus seine Herkunft hat und die meisten Menschen in den Tod reißt. „Na klar“, antwortete ich, „ … zumindest, wenn mein Boss die Reise bezahlt.“

Jedenfalls gibt es mit Nord-Syrien und der Ost-Ukraine gleich zwei Regionen, die mir spontan einfallen, in die ich derzeit nicht gerne reisen würde, weil ich dort tatsächlich Angst um mein Leben hätte. Aber was macht mich so unerschrocken, wenn ich an die Ebola-Länder denke? Ist es die Gewissheit, dass dort wie auch anderswo von den Behörden immer mehr getan wird, um die weitere Ausbreitung zu verhindern? Ist es das Gefühl, dass inzwischen so viele hilfreiche Verhaltenstipps kursieren, die mir den Umgang in den Ländern vereinfachen? Oder ist es die Entspanntheit des Touristen, im Normalfall am Ende einer langen Service-Kette zu stehen und als End-Kunde in den Hotels und Restaurants sowie auf den Reiserouten hygienisch saubere Qualität zu genießen? Vielleicht mit dem Zusatz: „Sei besonders vorsichtig im Umfeld von Ärzten, Krankenpflegepersonal und Priestern“?

Mag sein, dass alle Rationalisierungsversuche sehr trügerisch sein können und es letztlich eine rein emotionale Angelegenheit ist, sich entweder halbwegs sicher oder eben ängstlich zu fühlen. Auf jeden Fall bin ich mit meinen Gedanken derzeit sehr oft in den betroffenen Ländern bei den betroffenen Menschen. Es ist mehr ein solidarisches Gefühl, von dem ich denke, dass sie es gerade ohnehin zu wenig haben und stattdessen Ausgrenzung und Isolation im Überfluss erleben müssen. Wie muss es sich anfühlen, sich „sterbend“ krank zu fühlen und nicht zu wissen, was da mit einem passiert? Dann stellt man sich mit seinen Symptomen bei einem Arzt vor und wird sofort darauf in Quarantäne gesteckt: statt emotionale Fürsorge folgt hochgradig funktionale Behandlung durch in Kunststoff vermummtes Personal unter Ausschluss von tröstendem Körperkontakt, Familie, Freunden und vertrautem Umfeld. Wie viel mehr würde mir das Angst machen? Und wie sehr würde ich mir als Aussätziger vorkommen? Na klar, es geht ums nackte Überleben – aber wenn das nicht gelingt, dann fühlt es sich bestimmt an wie ein sehr unwürdiger Tod.

Immer noch bekommen zu viele infizierte oder von der Infektion bedrohte Menschen nicht einmal die notwendige Chance auf Hilfe, weil Unwissen, Angst und Zweifel sowie Tradition und Glauben das familiäre, dörfliche oder nachbarschaftliche Handeln bestimmen. Ich denke an eine an Ebola erkrankte Mutter und ihrer Tochter – von denen ich las -, die in ihrer Hütte eingesperrt und komplett sich selbst überlassen wurden, bis die verzweifelten Hilferufe nach Wasser und etwas zu Essen verstummten.
Ich denke an die Familien der Toten, die nicht einmal mehr die Möglichkeit bekommen, ihren verstorbenen Angehörigen entsprechend ihrer Traditionen und ihres Glaubens eine angemessene Bestattung zu ermöglichen. Tragisch, wenngleich verständlich, dass der Leichnam eben nicht – wie in manchen Gegenden üblich – vor seiner Beerdigung von allen inneren Essensresten und Exkrementen befreit werden kann, weil es hochinfektiöses Material und ein hochriskantes Infektionsrisiko enthält.

Doch zurück zu der Frage, ob ich in der jetzigen Zeit in die Ebola-Länder reisen würde: Ich glaube, dass ich mich als Urlauber dort gerade nicht wohl fühlen würde, weil ich einen viel stärkeren Drang hätte, irgendwie zu helfen. Und was die Ebola-Gefahr im Allgemeinen betrifft: Ich halte Europa augenblicklich für Ebola gefährdeter als z.B. das östliche und südliche Afrika. Europa ist ein Dreh- und Angelpunkt für Reisen aller Art nach Westafrika. Ich lebe in Südafrika und fühle mich pudelwohl. Ich bin besorgt wegen der Entwicklungen um Ebola insgesamt, aber ich bin nicht ängstlich, mir hier jetzt den Virus einfangen zu können. Ein Blick auf die Entfernungen zeigt sehr gut, dass die afrikanischen Länder nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander leben: Zwischen der Gegend Lofa, einem der Ebola Hauptausbruchsgebiete, und Arusha in Tansania liegen ca. 5300 km. Bis Johannesburg in Südafrika sind es ca. 5600 km. Frankfurt liegt zum Vergleich etwa 4950 km entfernt.  Meinen Gästen und allen Urlaubsinteressierten kann ich daher mit Blick auf Ebola guten Gewissens sagen: Ja, das östliche und südliche Afrika würde ich derzeit bedenkenlos bereisen. „Bedenkenlos“ heißt aber nicht „gedankenlos“.

Für weitergehende Infos habe ich hier ein paar Links für euch zusammengestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=JNiH18JNmqA

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs103/en/#

http://mg.co.za/cartoon/2014-08-22-ebola-travel-ban

Damit verabschiede ich mich auch schon wieder für heute und sage bis bald.

Lieben Gruß

Juan