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Veröffentlicht am 14. September 2015 von Juan Proll

Ebola – aus dem Auge aus dem Sinn

Gut ein Jahr ist es her, seit ich das erste Mal über Ebola geschrieben habe. Damals war die Angst vieler Menschen panikartig, das Leid der Erkrankten entwürdigend und die Verzweiflung der Menschen in den hauptsächlich betroffenen Gebieten von Sierra Leone, Guinea und Liberia untröstlich.
Die Epidemie drohte sogar nach Europa und in die USA überzuschwappen und der Tourismus nach Afrika kollabierte. Die Seuche hatte die Welt im Griff. … Und heute? Was ist aus diesem apokalyptischen Szenario geworden?

In den letzten Monaten hat es in den Medien eine Art kontrollierten Rückzug gegeben. So als wäre die Masse der Berichterstattung „unerträglich“ geworden, sei es weil zu viel oder zu grausam … oder einfach nur, weil medial genug ausgeschlachtet. Manchmal bedeutet eine solche Entwicklung einfach nur Besserung beim Klienten, sehr viel häufiger ist es aber ein Hinweis auf eingekehrte Normalität.

Dennoch – es tat gut, der in ruhige Gewässer übergehenden Nachrichten-Flut immerhin ein paar großartige News entnehmen zu können. Da war die zunehmende Zahl von Menschen, die gerettet werden konnten. Wir durften uns darüber freuen, dass Nigeria und Liberia zwischenzeitlich als Ebola-frei erklärt wurden. Und wir erfuhren, dass es endlich einen aussichtsreichen Impfstoff gibt. Von Panik ist daher schon längst keine Rede mehr. Und die Erfahrung von „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ scheint sich hier zu bestätigen.

Aber Vorsicht! Ebola ist zwar kontrollierbarer geworden jedoch noch nicht besiegt! Während die Welt ihre Augen von Westafrika wieder abwendet, kommt es dort nachwievor zu wöchentlich 20-30 Ebola-Ausbrüchen. Liberia blieb nur kurze Zeit Ebola-frei und verzeichnet inzwischen wieder Neu-Infizierte. Und die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ erklärte öffentlich „… einfach nicht in der Lage [zu] sein, den Ausbruch zu beenden“. Sie warnen, dass allein um Juni/Juli herum 25% der Ebola-Erkrankten erst nach ihrem Tod als solche identifiziert wurden. Meiner Ansicht nach ein zu hoher Anteil, um sagen zu können, dass es irgendjemand „unter Kontrolle“ haben könnte.

Ein großes Problem ist die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, zwar viel (finanzielle) Unterstützung zu leisten, wenn der Wald brennt, aber sie auch schnell wieder abzuziehen, wenn das Feuer gelöscht scheint. Der Aufbau schützender Infrastruktur kommt ins Stocken, die kostspielige Entwicklung von behandlungsrelevanter Medizin verliert ihre Sponsoren, und die Menschen vor Ort werden mit ihren verbliebenen Nöten wieder allein gelassen. 11.279 Ebola-Tote bisher und weitere werden folgen.

Sicher – kaum einer erwartet eine erneute Explosion von Ebola-Fällen wie im vergangenen Jahr. Die Länder verfügen nun über Ebola-Behandlungszentren, die Menschen kennen die Gefahr und Standards im Umgang mit Erkrankten und Verstorbenen sind etabliert.

Auf der anderen Seite gibt es immer noch sehr zurückgezogene Gebiete mit traditionellen Denk- und Lebensweisen sowie unterentwickelter Infrastruktur. Die Gesundheitssysteme der Länder sind insgesamt sehr schwach und mit zu geringen Ressourcen ausgestattet. Außerdem sind der Epidemie über 500 Personen des Krankenpflegepersonals zum Opfer gefallen, was irgendwie kompensiert werden muss.

Nach über 16 Monaten Ebola-Krise macht sich gerade in den Kernregionen natürlich auch Erschöpfung breit. Der Wille der helfenden Menschen, die Krankheit zu besiegen, bleibt aber ungebrochen. Grund genug für die Welt, sich weiterhin solidarisch zu zeigen.