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Veröffentlicht am 11. April 2016 von Juan Proll

Der Ameisen fressende Löwe

Man könnte glatt glauben, in einem Horrorfilm zu sein, in denen mutierte, im Sand lebende Wesen unbescholtene Menschen fressen, die unglücklich eine Düne hinuntergehen und zu spät erkennen, dass sie in eine Trichter ähnliche Falle getappt sind, aus der es kein Entkommen mehr gibt. Panisch versuchen sie nun, die sandige Kraterwand hinauf zu laufen, doch ständig gibt der lose Grund nach und sie rutschen wieder nach unten ab.

Jedes Mal, wenn sie glauben, ein paar Meter Höhe geschafft zu haben und zurückschauen, sehen sie plötzlich in der Tiefe Fangarme aus dem Untergrund emporschnellen, die über sie hinweg zusätzlichen Sand auf die Fluchtroute schütten und das Vorankommen noch unmöglicher machen. Spätestens jetzt ist klar: es geht hier um Leben oder Tod.

Was auch immer die Kreatur dort unten sein mag, sie ist auf jeden Fall zum Fressen entschlossenen. Statt sich aber gleich die Beute zu krallen, spielt es ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel, bis die um ihr Leben kämpfenden Geschöpfe chancenlos ihrem Schicksal ausgeliefert sind. Irgendwann fallen sie kraftlos und erschöpft in den Abgrund. Und während sie dort unten noch hoffen und beten, bohren sich auch schon erbarmungslos riesige Rüssel in ihre Körper und saugen ihnen den Lebenssaft heraus. Am Ende bleiben nur der eingefrorene, von Verzweiflung und Schrecken gezeichnete Gesichtsausdruck sowie ausgedörrte Körperhüllen zurück, die lieblos im Sand allein gelassen werden.

Doch ein solcher Horrorfilm braucht keine genialen Erfinder, sondern kann sich die nötige Vorlage dazu aus der Natur verschaffen – mit dem so genannten Ameisenlöwen als Monster und den Ameisen oder ähnlich großen Krabbeltierchen als arme Opfer.

Der Ameisenlöwe ist die Larve der Ameisen-Jungfer, einem Libellen ähnlichem Fluginsekt. Von den weltweit rund 2000 verschiedenen Arten ist der Ameisenlöwe des südlichen Afrikas eine von Ameisen lebende Larve, die eine Beutefangmethode hat, wie sie oben beschrieben ist. Dazu bauen sie in etwas tieferem Sand vor Tagesanbruch ihre Fallen und vergraben sich dann am Nadelöhr des Trichters.

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Faszinierend ist, dass diese Larven bei ihrer Tagesarbeit nur rückwärtslaufen, sich am Ende also auch zuerst mit dem Hinterteil einbuddeln, damit sie mit ihren Saugrüsseln – da kein Maul – nach außen hin operieren können.

Der Lebenszyklus des Ameisenlöwen in den südlichen Breitengraden kann auf diese Weise bis zu drei Jahre dauern, ehe sie sich dann 50-75 cm tief einbuddeln, sich in einen Seidenkokon einhüllen, verpuppen und schließlich als fliegende Ameisen-Jungfer zurück ans Tageslicht kommen. In diesem Stadium leben sie nur noch für wenige Tage, in denen ihre wichtigste Aufgabe die Reproduktion und Eiablage ist – für die nächste Generation von kleinen Monstern.

Harmlos für uns Menschen, aber in der Tierwelt echte Reißer – das sind die Ameisenlöwen.