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Veröffentlicht am 19. September 2022 von Juan Proll

Südafrika – und jedes Jahr ist Heritage „Braai“ Day

Als Desmond Tutu in Zeiten der Apartheid in Südafrika die unterschiedlichen Menschen des Landes immer wieder als „Rainbow people of God“ beschreibt, verbindet er damit eine Vision des freiheitlichen Zusammenlebens von Menschen aller Hautfarben und Kulturen. Heute findet sich diese Idee am deutlichsten im alljährlich gefeierten Heritage Day, dem Tag des Kulturerbes wieder. Doch was feiert Südafrika am Heritage Day? Wie dieser zelebriert wird, erfahrt ihr hier.

Nelson Mandela Statue Union Buildings Pretoria
Nelson Mandelas Regierung führte den Heritage Day 1994 ein.
Diese Statue vor dem Regierungssitz in Pretoria wurde nach Mandelas Tod im Jahr 2013 errichtet.

In seiner Antrittsrede als erster Präsident eines Apartheid freien Südafrikas greift Nelson Mandela 1994 die Worte Tutus auf und formt daraus ein politisches und gesellschaftliches Bekenntnis, das die Seele des Volkes trifft:

Wir gehen ein Abkommen ein, dass wir eine Gesellschaft aufbauen werden, in der alle Südafrikaner, sowohl Schwarze als auch Weiße, in der Lage sein werden, aufrecht zu gehen, ohne Angst in ihren Herzen, im Vertrauen auf ihr unveräußerliches Recht auf Menschenwürde – eine Regenbogennation in Frieden mit sich und der Welt.

Dieser Gedanke wird bei der Einrichtung südafrikanischer Feiertage (1994) berücksichtigt und als Heritage Day eingeführt. Alljährlich ehren die Menschen ihn am 24. September.

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Der Feiertag ‚Heritage Day‘ in Südafrika und wie er entstand

Hinter den Kulissen heißt es, dass der Name und das Datum auch durch eine Initiative aus der Provinz KwaZulu Natal befeuert wurden. Denn dort ist es Tradition, am 24. September eines Jahres „Shaka-Day“ zu zelebrieren, zu Ehren des legendären Zulu-Königs Shaka Zulu.

Shakas innovative Kriegsführungstechniken und -strategien machten ihn und seine immer größer werdende Zulu-Gemeinschaft zu einem mächtigen und stolzen Warrior-Volk. Anfänglich ist er nicht mehr als ein Mitglied eines bescheidenen Familien-Klans namens Zulu, der in der Nähe des heutigen Durban lebt. Diesen erhebt er schon bald zu einer Königsdynastie und sich selbst zum König. Sein überschaubares Zuhause weitet er zwischen 1816 und 1828 zu einem Imperium aus. Es erstreckt sich in alle Himmelsrichtungen landeinwärts über hunderte von Kilometern. Viele Zulus der Gegenwart beziehen einen wichtigen Teil ihrer Identität aus dieser Geschichte.

Im neuen Post-Apartheid-Südafrika wollten die Zulus als Teil der Regenbogennation auch ihren Feiertag repräsentiert sehen. Die Inkatha Freedom Party, eine regionale Partei mit starkem Zulu-Anhang, protestierte dagegen, dass ihr Shaka-Day in den Plänen der neuen Regierung nicht als Feiertag berücksichtigt war. So wurde der auf den 24. September gelegte Heritage Day auch zu einem Kompromiss, denn es wollte allen ethnischen Gruppen die Möglichkeit geben, ihrem eigenen kulturellen Erbe zu gedenken.

Über Sinn und Unsinn des Heritage Day

Nelson Mandela glaubte, dass die reichhaltige und vielfältige Kultur des Landes helfen würde, eine neue Nation aufzubauen. Aber nicht alle schienen das Potenzial eines entsprechenden Kulturerbe-Memorial-Tages zu verstehen. Manche wähnten hinter dieser Idee einen Feiertag für eine „gemeinsame oder vereinheitlichende Kultur“. So kamen Fragen auf, von welcher Kultur denn hier die Rede sei und welche davon „kultiviert“ werden könne, ohne die Nationenbildung zu gefährden. Dabei ging es weniger um Hochzeitsrituale oder Ähnliches.

Vielmehr ging es um massiv forcierte Einflussnahmen der eigenen Kultur auf die anderen. Ein Beispiel hierfür ist die Feststellung, dass in einer ehemaligen Siedlerkolonie wie Südafrika das Erbe der einen das Trauma der anderen sein könne. Man denke an den „Großen Treck“ der Afrikaaner-Buren. Ihre Nachfahren sehen in diesem Pioniergeist eine monumentale Heldentat an Tapferkeit und Ausdauer. Doch für andere repräsentiert er die Invasion des Landes und ihre Herrschaft darüber durch einen fremden und gefährlichen Feind.

Kalk Bay Strand Menschen kommen zusammen
Zusammenkommen und die vielfältigen Kulturen Südafrikas feiern – der Heritage Day am 24. September.

Wie aus Heritage Day ein Heritage „Braai“ Day wurde

Mandela predigte zusammen mit dem in 2021 verstorbenen Desmond Tutu „Verzeihen und Versöhnen“. Nur so seien die extremen geschichtlichen Belastungen zu überwinden und über die eigene ethnische Gruppe hinaus eine nationale Identität als Südafrikaner*in zu entwickeln. Eine große Herausforderung für die überlebenden Opfer, die nicht nur erst mit der Apartheid Segregation, staatlich betriebenen Rassismus und ungezügelte Gewalt über sich ergehen lassen mussten.

So war es schließlich der Initiative eines gewissen Jan Scannell zu verdanken, dass hier etwas Bewegung und Auflockerung in die angespannte Situation kam. Er hatte die Idee, dass es am Heritage Day neben all den Fokussierungen auf kulturelle Unterschiede auch etwas geben sollte, über das sich Gemeinschaft herstellen ließe: eine neue gemeinsame, bevölkerungsübergreifende Kultur.

Seine Idee griff etwas auf, was viele „Südafrikaner*innen“ ohnehin gerne tun (zumindest diejenigen, die es sich leisten können): das Grillen … oder der „Braai“, wie die Menschen hier es nennen. Das war natürlich kein Selbstläufer. Scannell, den heute alle ehrfurchtsvoll Jan Braai rufen, gab 2005 dafür seinen Beruf auf und zog mit der Mission durch das Land, seine Braai-Vision hoffähig zu machen.

Braai Day Boerewors Südafrika
Typisch südafrikanisch: Die schneckenförmige Boerewors auf dem Grill am Heritage „Braai“ Day.

2007 konnte er dann niemand geringeres als Desmond Tutu für sein Vorhaben gewinnen und mit ihm nahm Heritage „Braai“ Day Fahrt auf. Dazu trugen auch Aussagen im Fernsehen bei, wie zum Beispiel: „Wir haben 11 verschiedene Amtssprachen, aber nur ein Wort für die wunderbare Institution Braai (…): in Xhosa, Englisch, Afrikaans, was auch immer …“ Oder: „Es ist eine fantastische Sache, eine sehr einfache Idee. Unabhängig von ihrer Politik, ihrer Kultur, ihrer ethnischen Zugehörigkeit [‚race‘], von was auch immer, hierdie ding doen ons saam [‚wir machen diese Sache zusammen‘] … nur Südafrikaner, die eine Sache gemeinsam tun und erkennen, dass wir eine fantastische Nation sind.“ Oder: „Als Fleischliebhaber fordere ich die Menschen am Tag des Kulturerbes auf, Braai4Heritage zu machen und ihr Fleisch mit denen zu teilen, die es nicht haben.“

Heritage „Braai“ Day heute

15 Jahre später ist der Heritage „Braai“ Day in vielen Regionen des Landes eine Institution. Überall im Land findet man immer wieder öffentliche Braai-Plätze. Am 24. September sind diese Orte regelrecht überfüllt. Es sind Orte, an denen ihr schwimmen, windsurfen, Getränke aller Art mitbringen und mehr machen könnt. Viele bringen sogar ihr eigenes Braai-Equipment mit.

Die Stimmung ist hervorragend. Es wird viel miteinander geredet, gelacht, gespielt. Menschen lernen sich hier neu kennen, helfen sich aus, laden ein und leben Familie. Und wenn auch Desmond Tutu dieses Jahr erstmalig nicht mehr unter ihnen weilt, so wird er im Himmel ganz sicher in der ersten Reihe sitzen und mit seinem berühmten herzöffnenden Lächeln glücklich auf seine alte Heimat schauen.

Südafrikas Heritage „Braai“ Day gehört zu den besonderen Post-Apartheid-Phänomenen, die das Land so einzigartig machen. Wir stehen gerne für Rückfragen und zur Unterstützung bei der Planung eures Abenteuers bereit – egal ob auf einer geführten Safari oder einer Selbstfahrer*in-Reise unterwegs. Dank unseres engen Kontaktes zu unserer Tochterfirma in Südafrika wissen wir über die aktuelle Lage immer gut Bescheid. Also melde dich bei uns! Dein Traum, unsere Expertise – Dein ganz individuelles Südafrika-Erlebnis.

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