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Veröffentlicht am 29. Februar 2016 von Juan Proll

Von schwarzen und weißen Nashörnern

Das Nashorn ist ohne Zweifel eines der Höhepunkte einer jeden Safari. Es zu sehen, weckt bei vielen Bücher- und TV-Erinnerungen an die Zeit der Dinosaurier. Schwerfällig aber gemütlich promeniert es gras- oder blattfressend über Savannen oder durch Buschlandschaften. Ihre beeindruckenden Nasenhörner und die tonnenschwere Körpermasse, die sich in gewaltige Kraft entladen kann, flößen beim bloßen Anblick gehörigen Respekt ein. Wehe dir, du sitzt im Auto und es attackiert dich.

Noch kann man diese wunderbaren Tiere in den meisten der beliebten Safari-Gebiete von Kenia bis Südafrika bewundern, aber ihre Gattung gilt als bedroht. Auf dem afrikanischen Kontinent schätzt man den Bestand auf insgesamt nur noch 25.500 Exemplare (2014). Vor allem die Wilderei wegen des Nasenhorns, dem insbesondere Chinesen und Vietnamesen medizinische Heilkräfte nachsagen, drückt die Zahlen und verhindert ein gesundes Wachstum der Spezies. In Südafrika allein – dort, wo über 80 % der weltweiten Nashorn-Population zuhause ist – nahmen Wilderer im letzten Jahr auf ihrer gnadenlosen Jagd nach kostbarem Nasen-Horn den Tod von 1.175 Rhinozerossen billigend in Kauf.

In manchen Gegenden südlich der Sahara ist es tatsächlich nicht mehr leicht, sie zu entdecken. Noch kann man z.B. in der Serengeti, dem Krüger Nationalpark oder dem Etosha Nationalpark auf der Suche nach Weißen und Schwarzen Nashörnern fündig werden. Vorausgesetzt man nimmt es mit „schwarz“ und „weiß“ nicht zu wörtlich, denn farblich sind sie weder das Eine noch das Andere. Ein Grauton dominiert generell ihren Hautteint. Wie unsere Vorfahren auf diese Namen kamen, scheint nicht so hundertprozentig geklärt.

Die gängigste und – wie ich finde – die irgendwie charmanteste Überlieferung ist, dass es sich letztlich um einen Übersetzungsfehler handeln soll: Als die Holländer Südafrika kolonisierten und erstmalig Nashörner sahen, fanden sie, dass diese Kreaturen ein ziemlich weites bzw. breites Maul haben und sagten daher „wijd“. Als später die Engländer die Holländer am Kap ablösten übersetzten Jäger diese Bezeichnung aber nicht mit „wide“ sondern mit „white“, und schon war eine Legende geschaffen. Als sie schließlich eine andere Sorte von Nashörnern entdeckten, die zwar ähnlich aber eben nicht gleich aussahen und vom Verhalten auch nicht waren, haben sie diese einfach „black“ genannt. Warum …, darüber kann man wieder nur spekulieren.

Mag sein, dass es in Afrika zu jener Zeit für die weißen Kolonialisten zu nahe liegend war, zwischen Weißen und Schwarzen zu unterscheiden. Möglich aber auch, dass im damaligen Diskriminierungswahn die als aggressiver geltenden nicht-„weißen“ Nashörner mit der „Wildheit“ der einheimischen, „schwarzen“ Bevölkerung verglichen wurden und sie deshalb den Namen „black rhino“ bekamen.  Jedenfalls haben sich diese Bezeichnungen im südafrikanischen Raum gehalten und sind immer noch die gängigsten. Im deutschsprachigen Raum sprechen wir von Spitzmaulnashorn („black“) und Breitmaulnashorn („white“).

JPr_Spitzmaulnashorn

Die sichtbarsten Unterschiede zwischen den beiden sind ihre Größe, ihr Gewicht, ihre Haltung und – wie die deutschen Namen bereits aussagen – ihre Schnauzenform. Das größere und schwerere Breitmaulnashorn läuft mit gesenktem Kopf fast wie ein Staubsauger am Boden aufliegend über die Savannen, um das Gras zu fressen. Dagegen ist der Kopf des Spitzmaulnashorns aufgerichteter, um mit seinen eher zu einem aufgerichteten Haken zusammenlaufenden Lippen die Blätter von Büschen und Bäumen zu knabbern.

Und was die Aggressivität betrifft: Tatsächlich gelten die Spitzmaulnashörner bei den Jägern als die unberechenbareren und eher angriffslustigeren. Deswegen zählten einst auch nur sie zu den so genannten „Big Five“, zusammen mit den Löwen, Leoparden, Elefanten und Büffeln. Die Breitmaulnashörner kamen erst im Laufe touristischer Entwicklungen hinzu, als man verallgemeinernd nur noch von den Nashörnern sprach. Tatsächlich muss man bei den Spitzmaulnashörnern immer wieder mal mit Überraschungen rechnen, wie auch ein jüngeres Ereignis im Etosha Nationalpark zeigt, bei dem ein Auto böse von einem dieser Kolosse mehrmals gerammt wurde. Auf dem Video ist leider nur das Verhalten des Nashorns zu sehen, nicht das der Gäste im Auto. Man sieht lediglich, dass der Wagen offensichtlich genau im Laufweg des Tieres stand. Den Leuten ist nichts passiert und das Fahrzeug hatte hoffentlich eine Vollkasko.

Doch wie dem auch sei. Nashörner live in Ihrem Lebensumfeld zu sehen und zu erleben, ohne einen Zaun zwischen sich zu haben, ist immer wieder großartig. Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier passieren wirklich nur selten, aber wenn Sie passieren, dann zeigen sie eben Eines ganz besonders:
Es sind wilde Tiere! … Das macht ihren Reiz aus, aber auch die Gefahr!