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Veröffentlicht am 22. Dezember 2014 von Juan Proll

Serengeti darf nicht sterben: Wie ein Highway das Leben vieler Tiere bedroht

Wer kennt sie nicht die berühmte und Oscar prämierte Tierfilm-Dokumentation des deutschen Tierforschers Dr. Bernhard Grzimek aus dem Jahr 1959: „Serengeti darf nicht sterben“
Hintergrund dieser Dokumentation waren damalige Pläne, einen Teil des Naturparks abzutrennen und durch Angliederung anderer Gebiete auszugleichen.
Die Nationalparkverwaltung lud Grzimek ein, die Lebensräume der Serengeti zu untersuchen. Es zeigte sich, dass genau in den abzutrennenden Gebieten Teile der jährlichen Wanderwege von Millionen von Tieren, vor allem Gnus, Zebras und Gazellen lagen („Big Migration“), während das Ersatzgebiet kaum in Anspruch genommen wurde. Der Film mobilisierte die Öffentlichkeit und trug dazu bei, politische Lösungen zu finden, die Mensch und Tier gerechter wurden.

Knapp 50 Jahre später geht die Regierung Tanzanias mit dem Plan an die Öffentlichkeit, einen asphaltierten Highway durch die Serengeti zu bauen, um das sozio-ökonomische Wachstum von 1.2 Mio. Menschen in der Umgebung zu fördern und Transportkosten zu senken. Der Aufschrei unter den Tier- und Umweltschützern ist groß, die internationale Unterstützung der sich bildenden Anti-Highway-Initiative sogar noch größer. Alternativrouten, die z.B. südlich an der Serengeti vorbeiführen, wurden offensichtlich nicht ausreichend von der tansanischen Regierung bedacht und bilden nun das Einfallstor für die Gegenbewegung. Ein jahrelang geführter juristischer Prozess folgt.

Wer einmal das Glück hatte, die Serengeti kennen zu lernen und einen kleinen Eindruck von der Masse der Tiere dort zu bekommen, der wird diese Planungen der tansanischen Regierung wahrscheinlich genau so brutal empfinden wie ich. Es handelt sich nicht allein um eine Verbindung von Ost nach West, die zufällig durch den Nationalpark geht und das Verhalten der Tiere nur marginal berühren würde. Es geht um eine Ost-West-Achse, die wirtschaftliche Standorte verbindet, wie z.B. die Häfen im Osten mit den Goldminen im Westen. Es geht um schnellstmögliche Erreichbarkeit von industrialisierten Gegenden im In- und Ausland. Naheliegend sich vorzustellen, wie hier der Personen- und Frachtverkehr zunehmen und sich auf der asphaltierten Straße wie eine Schranke auf der jährlichen Route der Big Migration legen wird. Nicht nur, dass der Bau der Straße Lebensräume der Tierwelt zerstört, sondern auch mit rücksichtslosem Fahren und Abgasemissionen das Leben vieler Tiere direkt bedroht und das gesamte Ökosystem auf den Kopf stellt.

Die Serengeti mit ihrer weltgrößten Tierwanderung gilt als eines der 7 Naturwunder unserer Zeit. Warum will man das leichtfertig zerstören, wenn sich noch andere Alternativen anbieten? Daneben ist auch nicht unwichtig, dass der Tourismus in Tansania Lebensgrundlage vieler Menschen geworden ist und weiterhin Wachstumspotenzial birgt. Zwischen 2000 und 2014 haben sich die Einnahmen mehr als verfünffacht. Warum will man das Serengeti-Erfolgsrezept riskieren?

Nun hat der Ostafrikanische Gerichtshof jüngst ein Urteil gefällt und es beruhigt meine Seele sehr, dass es zugunsten der Serengeti-Schützer ausgefallen ist und den Bau einer asphaltierten Straße mitten durch die Serengeti für ungesetzmäßig erklärt hat. Ein Sieg für die Tierwelt und ein Sieg für die Erben der Natur.

Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob die Regierung Tansanias tatsächlich das Urteil akzeptiert oder ob sie – Gerüchten zufolge – gegen das Urteil Einspruch erheben wird. Natürlich werde ich euch damit auf dem Laufenden halten. Für alle Fälle aber gilt: Wer von euch noch nicht in der Serengeti war, sollte möglichst bald dorthin. Wer weiß, ob morgen nicht schon alles ganz anders ist.

In diesem Sinne sende ich euch die hoffnungsvollsten Grüße von hier!

Juan