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Veröffentlicht am 17. August 2020 von Juan Proll

Plastikverbot in Kenia: „Kein Plastik auf Safari? Wie soll ich das denn machen?“

Über 100 Millionen Plastiktüten wurden jährlich an die kaufende Kundschaft in Kenia ausgehändigt. Nach Gebrauch verschmutzten sie die Umwelt, verstopften Abwassersysteme und verschärften die Überflutungsgefahr in der Regenzeit. In über 50 Prozent des geschlachteten Viehs aus bevölkerungsreichen Zonen fand man Plastiktüten in den Mägen. Kenia zog die Reißleine, verbot Plastiktüten und verhängte weltweit die härtesten Strafen gegen Missbrauch. Hier finden Sie Informationen über das Plastikverbot in Kenia.

Plastikverbot in Kenia: Kein Plastik auf Safaris

Nach Jahren des Versprechens, Maßnahmen zu ergreifen, verbot die kenianische Regierung im Jahr 2017 die Herstellung, den Verkauf und den Vertrieb bestimmter Plastiktragetaschen.[1] Damit trat Kenia in die Fußstapfen Ruandas und Marokkos und inspirierte andere ostafrikanische Länder wie Tansania dazu, ebenfalls ein Verbot von leichten, einmal verwendbaren Plastiktüten einzuführen.

Seit dem 5. Juni 2020 gelten in Kenia außerdem verschärfte Bedingungen in Nationalparks, Naturschutzgebieten und Wäldern sowie an den Stränden des Landes. Besucher dürfen in diesen geschützten Bereichen kein Einwegplastik bei sich haben. Dazu gehören unter anderem Plastikwasserflaschen, Plastiktassen und -teller, Plastikbesteck oder -strohhalme. Damit soll nicht nur der Vermüllung vorgebeugt, sondern auch Tierwelt und Landschaft geschützt werden. Die kenianische Regierung geht so den nächsten konsequenten Schritt einer Einwegplastik-Vermeidungspolitik, die sich seit 2017 positiv auf Kenias Natur auswirkt. Wir als Reiseunternehmen unterstützen das.

Plastikverbot Kenia
Seit Juni gilt in Kenias Nationalparks ein Verbot von Plastikflaschen, damit es solche Situationen nie wieder geben wird
Foto: Leroy Chew

Alle Reisenden haben nun die Möglichkeit, als Pioniere einer (einweg)plastikfreien Touristengeneration neue Maßstäbe zu setzen. Auch ich habe schon angefangen, meinen Reiserucksack auszumisten. Und ehrlich gesagt: Es fühlt sich gut an!

Wie streng das neue Verbot von Einwegplastik in Nationalparks umgesetzt und kontrolliert wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Wir empfehlen: Einwegplastik zu Hause lassen und Kenia auf dem Weg in eine saubere Zukunft unterstützen.

Das Plastikverbot in Kenia und fliegende Toiletten

Schon bald nach Einführung des Verbots in 2017 waren erste Effekte des Verbotes deutlich wahrzunehmen. So bestätigte Nancy Githaiga, Politik- und Forschungsmanagerin des WWF Kenia, gegenüber BBC News: „Wenn Sie zuvor von Nairobi zu einem Ort wie der Masai Mara gefahren sind, haben Sie Plastiktüten gesehen, die wie Blumen an Bäumen hängen, nachdem sie weggeblasen wurden und stecken geblieben sind. Wir sehen sie nicht mehr.“

Das Verbot verminderte nicht nur die Belastung der Umwelt, sondern ebenso die Funde von Plastik in Tiermägen. Aber es beeinflusste auch andere Phänomene. Die Zeitung ‘The Guardian’ berichtet zum Beispiel von der Praxis der fliegenden Plastiktüten-Toiletten in den Armenvierteln Nairobis. Aufgrund der dürftigen Versorgung mit externen Dixi-Klos erledigten die Bewohner hier ihre menschliche Notdurft in wasserdichte Plastiktüten. Diese warfen sie dann gut verknotet in der Dunkelheit auf die Zinnblechdächer der umliegenden Hütten.

Schon dort ist es hygienisch natürlich höchst bedenklich. Aber wo sie letztlich landen, wenn sie herunterrutschen oder von starkem Regen heruntergespült werden, ist ein weiteres Problem. Geschlossene Tüten werden von Kindern gerne mal geöffnet. Lastwagen oder Autos fahren gerne schon mal darüber.

Seit dem Verbot verändert sich offenbar dieses Verhalten. Man sucht verstärkt reguläre Toiletten auf, auch wenn sie nicht direkt vor dem Haus stehen oder sogar Geld kosten.

Standinhaber auf den zahlreichen Märkten des Landes bitten inzwischen ihre Kunden, eigene Schalen oder traditionelle Taschen aus Sisalfasern mitzubringen. Zwar verschütten die Schalen leicht und sind die Sisalbeutel teuer, aber der Umgang mit Tragehilfen wird insgesamt vorsichtiger und umweltbewusster.

Plastik in Kenia verboten – Zwischen Arbeitsplatzfrust und Aufbruchslust

Der größte Kritiker des Plastikverbots ist die Kenya Association of Manufacturers (KAM). Sie bemängelt, dass das Verbot von Plastiktüten zu einem Verlust von Arbeitsplätzen, Investitionen und Märkten geführt habe, da einige Hersteller ihre Geschäfte geschlossen und andere in andere Länder verlagert hätten. Auch haben viele Unternehmen nach dem Verbot keine staatliche Entschädigung erhalten und mussten in der Folge schließen. Dadurch seien direkt und indirekt rund 60.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. KAM hätte es gern gesehen, wenn die Gesetzgebung schrittweise eingeführt worden wäre.

Plastikverbot Nationalparks Kenia
Der Kenia Wildlife Service (KWS) macht Besucher auf das Einweg-Plastikverbot in Nationalparks aufmerksam
Foto: Kenya Wildlife Service

Es ist nachvollziehbar, dass mit über 170 Plastiktütenherstellern im Land nicht alle das Verbot von Einweg-Plastiktüten befürworten. So versuchten die Kunststoffhersteller zunächst, das Verbot zu stoppen. Inzwischen ist Akzeptanz und Einsicht eingekehrt. Und so bemühen sich einige nun, den Weg nach vorne mitzugestalten. Zum Beispiel schlug KAM im Rahmen eines kenianischen Kunststoff-Aktionsplans 2019 eine Lösung vor, bei der die Hersteller eine Gebühr für alle Kunststoffe zahlen, die sie auf den Markt bringen. Diese Gebühren würden dann zur Finanzierung der Sammlung, Verarbeitung und des Recyclings der Abfälle durch ein Drittunternehmen verwendet. Wenn die Umsetzung gelingt und das eingezahlte Geld nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet, dann wäre dies ein wichtiger Schritt in der Verbesserung der dürftigen Infrastruktur zur Müllbeseitigung in Kenia.

Ökologisch hoffnungsvoller bleibt letztlich aber nur der Weg, immer mehr auf Plastik zu verzichten und Alternativen zu verwenden. Wahlweise nutzen viele – trotz Mehrkosten – Schalen und Eimer sowie wieder verwendbare Stoff- oder Polypropylen-Tragetaschen aus einer Kunststoffart, die dicker und leichter zu recyceln ist. Ebenso erfreuen sich traditionelle Kiondo-Taschen aus Sisalfasern großer Beliebtheit.

Das Plastikverbot in Kenia und der Schlüssel zum plastikbefreiten Tourismus

Als Richtlinie gilt: Plastiktüten sind im gesamten Land verboten. Zusätzlich muss in geschützten Gebieten wie Nationalparks alles Einwegplastik vermieden werden. Die Druckverschlusstüte für Flüssigkeiten im Handgepäck wird noch akzeptiert, die Duty-Free-Tüte für das zollfreie Parfüm nicht mehr. Sie kann je nach Airline eventuell schon im Flugzeug entsorgt werden, sollte aber spätestens bei der Einreise in dafür vorgesehene Behälter geworfen werden. Wer seine Klamotten oder Hygieneprodukte im Koffer beziehungsweise Rucksack gerne in klassischen Plastiktüten „portioniert“ und schützt, sollte zukünftig auf alternative und besser recyclebare (wasserdichte) Taschen umstellen.

Es wird erwartet, dass das bei der Durchsetzung des neuen Verbots von Einwegplastik in geschützten Gebieten das Hauptaugenmerk der Behörden auf Plastikflaschen liegen wird.

Ist Plastik verboten Kenia
Statt Plastikflaschen einfach wiederauffüllbare Trinkflaschen nutzen

Aber plastikfreie Alternativen für alltägliche Gebrauchsgegenstände aller Art gibt es in „Unverpackt“-Läden, von denen es in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer mehr gibt.

Was also gehört (nicht) in den Koffer auf einer Kenia Safari?

Hier eine kleine Übersicht von verbotenen Gegenständen und den Alternativen[2]:

Verbotener Einwegkunststoff-Gegenstand Alternativen
Einwegbesteck und -geschirr, Essstäbchen, Strohhalme und Getränkerührer Besteck und Geschirr, Essstäbchen, Strohhalme und Getränkerührer aus Holz / Metall oder Papier / Bambus oder lokal verfügbare Alternativen wie z.B. Kokosnussschalen, aber alles ohne Kunststoffauskleidung
PET-Flaschen + Getränkebehälter aus expandiertem Polystyrol (EPS) Wiederverwendbare Trinkflaschen aus Plastik oder Glas sowie wiederverwendbare Getränkebehälter
Chips- und Süßwarenverpackungen Papierpackungen, Tupper-Dosen
Tragetaschen aus Vlies oder sonstige Einwegtüten Wiederverwendbare gewebte Tragetaschen (z.B. traditionelle Kiondo-Taschen aus Sisalfasern), Dry bags/Packsäcke
Kunststoff-Wattestäbchen Hölzerne Wattestäbchen
Hygieneartikel (Kleinkindwindeln dürften vorübergehend wohl noch toleriert werden)
(Damenbinden sind bisher noch ausgenommen)
Wiederverwendbare Windeln / Handtücher

(Wer für Damenbinden aber eine Alternative sucht, dem empfehle ich „Diva Cup“)

Feuchttücher Händedesinfektionsmittel oder Händewaschen mit Wasser und Seife, Seidenpapier verwenden
Einweg-Toilettenartikel in Kunststoff verpackt wie Seife, Lotionen, Shampoos usw. Nachfüllbare Behälter verwenden, oder „festes“ Shampoo (Drogeriemarkt)

Medikamentenverpackungen sind bisher nicht explizit erwähnt und sollten daher weiterhin durchgehen. Ihre Ächtung würde sicher auch erst einmal einen großen Aufschrei bedeuten.

Kein Plastik Nationalparks Kenia
Viele Hygieneartikel gibt es bereits ohne Einwegplastik zu kaufen

Bei Aufenthalten in geschützten Gebieten solltet ihr unbedingt darauf achten, euch weder Einwegplastik „andrehen“ zu lassen noch Einwegplastik zu kaufen. Theoretisch dürfte das aufgrund der Verbote auch nicht möglich sein. Praktisch aber wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis sich dieser Anspruch komplett durchgesetzt hat.

Das Plastikverbot in Kenia ist dem Land ein Herzensanliegen. Wir Reisende sollten uns dabei im besten Sinne als Teil einer Bewegung für eine saubere Zukunft sehen. Die Umsetzung des Verbots wirft aber für manchen Reisenden noch einige Fragen auf. Wir stehen daher gerne für Rückfragen und zusätzliche Unterstützung bei der Planung deiner Kenia-Reise bereit. Melde dich bei uns! Dein Traum, unsere Expertise – Dein ganz individuelles Kenia-Erlebnis.

[1] Es gibt jedoch einige Ausnahmen vom Gesetz: Bestimmte Arten von Einweg-Plastiktüten sind weiterhin für Müllbeutel, medizinische Abfälle, Bauarbeiten und zum Verpacken von Lebensmitteln wie Brot zulässig.

[2] Ohne Anspruch auf Vollständigkeit

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