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Veröffentlicht am 21. November 2016 von Holger Wiebe

Der Blick hinter die Kulissen: Neue Sprinter für Südafrika

Es klingt so einfach: Zwei neue Fahrzeug sollen her, um unseren Gästen auf unserer Rundreise „Faszination Südafrika“ sicher und bequem die schönsten Ecken des Landes zu zeigen. Dass sich die Umsetzung etwas komplizierter gestaltet, zeigen wir Ihnen heute mit einem Blick hinter die Kulissen.

Begleiten Sie unseren Firmengründer Holger Wiebe auf seiner Mission „Neue Sprinter“.

Es geht einmal um die halbe Welt

Unsere Sprinter haben eine lange Reise hinter sich. Aus dem Mercedes-Werk in Deutschland geht es mit dem Schiff nach East London in Südafrika. Von dort fährt sie ein Werksmitarbeiter durch die staubige Karoo nach Kapstadt. Hier kann es nun losgehen: Aus einem praktischen Transportfahrzeug ohne jegliche Ausstattung wird ein komfortables Tour-Fahrzeug, in dem unsere Gäste die Reise ihres Lebens erleben sollen. No pressure!

Die Entscheidungen trifft Südafrika

Schon bei der Wahl des Autos stand fest: Ich habe eine Idee im Kopf, aber Südafrika trifft die Entscheidungen.

Auf Safaris bin ich eigentlich kein Fan von Minibussen. Da setzen wir Toyota Land Cruiser mit Allradantrieb ein. Doch in Südafrika müssen weite Strecken zurückgelegt werden. Mit einem Land Cruiser wäre man wegen der schwachen Beschleunigung und der niedrigen Endgeschwindigkeit auf jeder Etappe länger unterwegs. Außerdem sind sie auf langen Strecken nicht sehr komfortabel. Der Sprinter ist schnell und bequem. Und die Entscheidung daher genauso schnell gefallen.

Ich hätte kleinere Sprinter, acht- bis zehn-Sitzer bevorzugt. Doch um einen Minibus umzubauen, braucht die Werkstatt eine Lizenz des „South African Bureau of Standards“. Keine Werkstatt hat eine Lizenz, um einen acht- bis zehn-Sitzer umzubauen, aber viele Werkstätten haben eine Lizenz, um einen 16-Sitzer umzubauen. So hat mir Südafrika auch diese Entscheidung abgenommen, ich habe einen 16-Sitzer gekauft und meine Gäste nun mehr Platz. Auch nicht schlecht.

Die Verwandlung beginnt

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Ein weißer Kastenwagen, ohne Fenster, ohne Sitzbänke, ohne alles. Sitzbänke, Gepäckablage, Kofferraumabteil, Beleuchtung, Lautsprecher, Klimaanlage, Kühlschrank, all das muss eingebaut werden, bevor ein Gast den Wagen überhaupt zu sehen bekommt.

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Die Werkstatt in Blackheath wird von John gemanagt. Ein toller Typ, dem vertraue ich, der wird das schon machen. John und sein Team legen los, die Verwandlung beginnt.

Eines Nachmittags bekomme ich einen Anruf von John: „Holger, sag mal, wolltest du Fenster in den Rücktüren haben?“. Ich stutze: „Nein, eigentlich nicht.“ Kurze Stille: „Okay. Es sind nämlich jetzt Fenster drin. Meine Jungs haben sie eingebaut.“ Ich muss schmunzeln: „Ja und was machen wir da jetzt?“ „Wir können dir anbieten, neue Türen ohne Fenster zu bestellen oder du behältst die Türen mit Fenstern – ohne Aufpreis natürlich.“ So habe ich also Fenster in meine Sprinter bekommen, ohne dafür zu bezahlen. Am Ende sieht es tatsächlich auch einfach besser aus.

Von Routenplänen, Empfehlungsschreiben und Zuständigkeiten

Während ich die Sprinter bei John in guten Händen weiß, kümmere ich mich um die Registrierung bei den offiziellen Stellen. Die „roadworthiness“, den südafrikanischen TÜV, haben die beiden bereits bestanden. „Transport License“: check!

Die „Operating License“ ist eine andere Geschichte. Mit diversesten Dokumenten in Klarsichtfolien verstaut trete ich Anfang Juni durch die Tür des „Public Transport Service Centres“. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass mich sogar die Direktorin hier bald mit Namen kennen wird.

Firmenregistrierung, Routenplan, Kontoauszüge, Empfehlungsschreiben – das bestätigt, dass Elefant-Tours kein halbseidenes Taxiunternehmen ist – all das und mehr habe ich unterm Arm. Generell gilt: Du weißt nie genau, welche Dokumente du brauchst, deshalb bring einfach alles mit, was irgendetwas belegt. Und davon noch beglaubigte Kopien.

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Zunächst läuft alles glatt und nach ein paar Stunden verlassen die Klarsichtfolien und ich das Service Centre guten Mutes, dass der Prozess bald abgeschlossen ist. Anfang August wird es noch das „oral hearing“, die mündliche Anhörung geben. Das kenne ich schon, kein Problem.

Zwei Monate später sitze ich pünktlich um 8 Uhr im Service Centre. Es gilt: Wer zuerst auf der Liste steht, malt zuerst. Deshalb bin ich um 14 Uhr dann auch mal an der Reihe. Das Mittagessen ist ausgefallen, für solche Annehmlichkeiten kann ich meinen Platz in der Schlange nicht aufgeben.

Die halbstündige Anhörung wird auf Video aufgezeichnet: Wie gedenke ich, Kunden zu werben? Wo stehen die Fahrzeuge, auf einem Parkplatz, auf der Straße? Wo ist das Bürogebäude? Wie heißt die Webseite meiner Firma? Werden meine Guides fair behandelt? Ich beantworte geduldig alle Fragen, denn ich kenne das Prozedere und weiß: Im „transport business“ wird viel Schmu getrieben, die Sachbearbeiter machen nur ihren Job.

Was ich nicht weiß: Vor Kurzem wurde der „Transport Act“ geändert. Seitdem ist die Rechtslage nicht eindeutig in der Frage, ob eine „Operating License“, wie ich sie brauche, über einen „Trust“ registriert werden kann, wie ich es vorhatte. Das hat mir im Juni niemand gesagt. Die Sachbearbeiterin signalisiert, dass es wahrscheinlich klappen wird. Mit „wahrscheinlich“ lässt es sich nachts nicht besonders gut schlafen, aber ändern kann ich es nicht. Abwarten und positiv denken. Zwei Wochen vergehen, keine Neuigkeiten. Langsam werde ich unruhig.

An diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen: Bist du hartnäckig oder gibst du auf? Ich bin hartnäckig: Ein Anruf beim Service Centre und noch einer, eine E-Mail und noch eine. Am nächsten Tag das gleiche. Wer ist zuständig? Wer fühlt sich für meinen Fall verantwortlich? Wer kann mir Informationen geben? Zuerst einmal niemand. Noch ein Anruf, noch eine E-Mail. Ich bleibe freundlich, denn ich weiß, mit gereiztem Tonfall und Drohungen erreiche ich gar nichts. Doch nach 25 Anrufen und 30 E-Mails haue auch ich – freundlich – auf den Tisch. So bekomme ich ein persönliches Meeting mit der Direktorin des Service Centres und am Freitagabend um 18:30 Uhr (!) eine Whatsapp-Nachricht der Managerin des Service Centres: Sie wird sich am Montag um meinen Fall kümmern. Na immerhin.

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Es ist geschafft

Am Ende kann ich nicht ganz nachvollziehen, wie und warum, aber ich halte die „Operating License“ für meine beiden neuen Sprinter in der Hand. Das ist die Hauptsache, alles andere hinterfrage ich nicht.

Bevor ich mit meinen beiden Sprintern zur finalen Abnahmestelle kann, gilt es ein letztes Hindernis zu meistern: Firmenadresse und -namen müssen auf der Seitentür als Sticker angeklebt werden. Wie lang, wie breit? Ich will kein Risiko eingehen, fahre zur Abnahmestelle und fotografiere die Sticker der bereits abgenommenen Sprinter der Konkurrenz. So müssen meine also auch aussehen, wird erledigt.

Nach mehreren Wochen ist es soweit: Der Tag der finalen Abnahme ist da. Meine Sprinter und ich bestehen den Test. Es kann losgehen!

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„Wie geht’s denn heute?“ – mit Freundlichkeit zum Ziel

Es klingt simpel, aber du musst Ruhe bewahren, darfst niemals ausfällig werden oder gar schreien. Du musst freundlich sein und höflich. Du musst so freundlich und höflich sein, dass dich dein Gegenüber so gern hat, dass es ihnen weh tut, wenn sie dir nicht helfen, dass sie Mitleid mit dir bekommen.

Gleichzeitig musst du hartnäckig bleiben. Hartnäckig, aber freundlich natürlich. Auch beim 25. Anruf erkundigst du dich, wie denn das Wochenende war und wünschst weiterhin einen schönen Tag. Die Bürokratie in Südafrika ist Teil des Deals. Hier zu leben hat viele Vorteile, die Bürokratie ist der Preis, den man zahlt. Bisher hat noch immer alles geklappt.