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Veröffentlicht am 15. August 2016 von Juan Proll

Psst … Wasserkrise

„Tja, Juan, du weißt ja, wie Touristen sind“, sagte mir kürzlich eine Hotelbesitzerin in Windhoek, mit der ich über das Besorgnis erregende Wasserproblem in Namibia sprach. „Wenn die morgens nach ihrem langen Flug hier ankommen, springen viele erst einmal unter die Dusche. Vor dem Abendessen ist ebenfalls schnell noch die Brause angesagt. Und am nächsten Morgen vor dem Frühstück steht ein weiteres Mal Duschen auf dem Programm.
So haben sie innerhalb von 24 Std. bereits dreimal geduscht. Wer will im Urlaub schon von einer Wasserkrise hören, die ihn oder sie selbst einschränken könnte?“

Tatsächlich sind Urlaubsgäste bis auf Weiteres nicht von der Wasserkrise betroffen. Allenfalls müssen sie mal eine Swimming-Pool-Bedeckung beiseite räumen, die das Wasser vor zu starker Verdunstung schützt. Aber ansonsten läuft alles weiterhin einwandfrei: die Dusche, der Wasserhahn, die Toilette, der Pool. Es ist wie der Besuch in einem Armenviertel, in dem die Bewohner ihr letztes Brot mit dem Gast teilen und der Gast denkt: „Oh, da scheint ja genug vorhanden zu sein, wenn sie dir noch etwas abgeben.“

Anfang Juli hat der Präsident den Notstand ausgerufen – Ernten gehen kaputt, Vieh stirbt, Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze, weil Wasser abhängige Industrien, wie z.B. in der Getränkeherstellung oder im Bau, ihre Produktion einstellen oder einschränken. Windhoeks schrumpfende Staudämme infizieren sich zunehmend mit Blaualgen, konzentrierten Salzen und anderen Mineralien. Mühselig wird Wasser aus anderen Regionen nachgepumpt. Dennoch vermuten offizielle Seiten, dass die Dämme wohl im September leer sein werden. Eifrig schlägt man neue Bohrlöcher in der Umgebung der Hauptstadt, um das Problem über eine verstärkte Grundwasserzufuhr zu regeln. Über 50 Stück gibt es bereits von ihnen, mit Tiefen von bis zu 500 m. Daneben wird von den Menschen der Stadt augenblicklich 40% Einsparung gefordert.

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Windhoek verbraucht derzeit jährlich über 29 Mio. Kubikmeter Wasser und hat für den verbleibenden Bedarf des Jahres und darüber hinaus noch keinen abgesicherten Wasserversorgungsplan. Jede denkbare Lösung kostet Milliarden. Den Planern treiben die Sorgen und Aussichten so viel Schweiß auf die Stirn, dass so manche Dusche noch allein dafür notwendig sein wird, sich diesen erst einmal herunter zu waschen.

27,1 Mio. Kubikmeter Wasserverbrauch rechnet man allein dem Tourismus zu. Eine Menge, die also dem Verbrauch Windhoeks mit seinen ca. 400.000 Einwohnern sehr nahe kommt. Doch anders als in der Metropole entspannt sich die Situation für die vornehmlich rundreisenden Urlauber in den von Städten abgelegenen Lodges. Dort hängt die Wasserversorgung allein vom Grundwasser ab, dessen Adern nicht selten von Wünschelrutengängern entdeckt wurden und in der Regel eine verlässliche Quelle bieten.

Doch egal, ob gut gebohrt oder in Maßen gepumpt … wenn nicht genug Regen nachkommt, senkt sich irgendwann der Grundwasserspiegel ab. Beschleunigt wird dies nicht selten durch Einflüsse, für die auch der Tourist wenig kann, z.B. wenn es minutenlang dauert, bis Warmes aus der Brause kommt, oder wenn der Duschstrahl mit einem kaum kontrollierbaren, übertrieben großen Druck auf einen niederprasselt.

Grundwasserbestände brauchen ihre Zeit, um sich zu erholen, wenn sie erst einmal überbeansprucht sind. Es heißt, dass 83% des Niederschlags in Namibia direkt verdunsten, 14% von der Pflanzenwelt absorbiert werden, nicht mehr als 2% in den Staudämmen landen und lediglich 1% das Grundwasser erreichen. Es muss also bald mal wieder viel regnen, … sehr viel! – Ich hoffe nur, dass bis dahin ein paar mehr Ideen und Infrastrukturmaßnahmen auf dem Tisch sind, um auf eine sinnvolle Nutzung dieses kostbaren Gutes vorbereitet zu sein und ich mich für den Tourismus wegen des hohen Wasserbedarfs nicht mehr schlecht fühlen muss. Das Land ist einfach zu schön, als dass ein Besuch an einer Wasserkrise scheitern sollte.