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Ich habe jahrelang Zebras von hinten fotografiert – ein Interview mit Foto-Guide Claude Melde

Elefant-Tours: Was ist eine Fotosafari und was ist der Unterschied zu einer normalen Safari?

Claude Melde: Wer auf eine Fotosafari geht, will mehr mit nach Hause bringen als nur ein Souvenirbild. Hier haben Hobby-Fotografen genaue Vorstellungen davon, welche beeindruckenden Bilder sie machen möchten.
Eine Fotosafari unterscheidet sich in zwei Dingen von einer normalen Safari: dem an die besonderen Anforderungen angepasstem Ablauf und der fachkundigen Begleitung.

Es beginnt schon bei der Teilnehmerzahl. Fotografen führen meist eine umfangreiche Ausrüstung mit sich, da dürfen nicht alle sieben Sitzplätze im Auto belegt werden. Vier bis fünf Teilnehmer sind das Maximum.

Auch die Wahl der Unterkünfte erfolgt nach anderen Kriterien. Das Wichtigste ist die Lage! Unterkünfte sollten innerhalb des Nationalparks liegen, sonst verschwendet man die entscheidenden Stunden am Morgen und Abend, wenn das Licht am besten ist, bei An- und Abfahrt im Auto sitzend. Die Qualität des Essens oder der eventuell bessere Service einer Lodge kann diesen entscheidenden Nachteil für einen Fotografen nicht ausgleichen.

Man muss außerdem Zeit mitbringen. Wir bleiben meist zwei Nächte an einem Ort. So „entschleunigen“ wir die Reise und haben einen vollen Tag vor Ort, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Eine produktive Fotosafari ist in fünf bis sechs Tagen, bei täglichem Wechsel der Unterkunft, nicht möglich.

Auf einer Fotosafari fährt man gegen den Strom. Wenn alle anderen die Straße runterfahren, weil dort hinten ein Gepard gesichtet wurde, fahren wir in die andere Richtung. Es geht eben nicht nur darum, ein Tier zu sehen, wir wollen es ja auch in einer fotogenen Pose und Umgebung ablichten. Deshalb bewegen wir uns soweit wie möglich abseits der Touristenströme, am besten auch außerhalb der Hauptsaison.

 

Was ist deine Aufgabe als Guide bei einer Fotosafari?

Ich erkläre niemandem, welcher Knopf zu drücken ist, damit der Blitz ausgelöst wird. Oder den Unterschied zwischen Blendenautomatik und Zeitautomatik. Das wissen meine Kunden längst. Ich gebe jedoch zum Beispiel Ratschläge, welche Ausrüstung man in welcher Situation mitnehmen sollte. Wer eine bestimmte Aktivität noch nie gemacht hat, tendiert dazu, die komplette Ausrüstung mitzunehmen. Also fast immer viel zu viel, was durchaus kontraproduktiv sein kann.

Abends analysiere ich gemeinsam mit den Teilnehmern die Fotos des Tages. So lassen sich die gleichen Fehler am nächsten Tag meist vermeiden.

Als guter und erfahrener Guide kennt man vor allem auch das Verhalten der Tiere. Anfangs habe ich jahrelang Zebras von hinten fotografiert, weil ich es nicht besser wusste.

 

Welche Tipps hast du für das Fotografieren von Tieren?

Um ein Tier, egal welches, gut zu porträtieren, muss man sein Verhalten kennen. Wenn du dich mit einem Auto einem Zebra näherst, läuft es los in dem Moment, wenn der Wagen stehen bleibt. Nach 12 bis 15 Schritten merkt das Zebra, dass es nicht verfolgt wird und bleibt auch stehen. Es dreht sich um. Wenn du dann die Sonne im Rücken hast, hast du beste Chancen auf das perfekte Zebra-Portrait.

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Ein Bienenfresser, ein wirklich wunderschöner Vogel, sitzt auf einem Ast und fliegt weg, sobald du dich näherst. Doch mit ganz hoher Sicherheit wird er zurückkommen, denn der Ast ist sein Aussichtspunkt, von dem er Beute fängt. Wenn er wegfliegt, gehst du zwei Schritte auf den Ast zu. Wenn er wiederkommt, bleibst du stehen. Gehst wieder einen Schritt, wenn er wegfliegt. Bleibst wieder stehen, wenn er wiederkommt. So kommst du ganz nah ran!

Aus der Ferne haben wir auf der letzten Fotosafari ein Löwenpärchen bei der Paarung gesehen. Doch als wir ankamen, war alles gelaufen. Ein lautes Raunen ging durch unsere Reihen, wir hatten es verpasst! Nun muss man wissen, dass sich Löwen nach zwanzig Minuten erneut paaren. Statt wie alle anderen weiterzufahren, haben wir gewartet und kamen nach genau zwanzig Minuten zu unseren erwünschten Bildern.

 

Ein letzter Ratschlag für eine erfolgreiche Fotosafari?

Man sollte sich überlegen, was man mit den Fotos nach der Safari machen möchte. Einen Kalender im Querformat? Dann sollte ich mindestens zwölf gute Bilder im Querformat schießen, plus eins für das Deckblatt. Ein chronologisches Fotoalbum oder gar Diashow? Hier hilft es, Fotos von Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und den Parkgates zu machen, um passende Übergänge zu haben. Es wäre gut, wie ein Profi bereits ein Drehbuch im Kopf zu haben und sich vorher zu überlegen, welches Ergebnis man erzielen möchte.

Unter diesen Bedingungen stehen die Chancen gut, auf einer einzigen Fotosafari alle die Bilder mit nach Hause zu bringen, die man sich erträumt hat.

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Ann-Kristina Rönchen

Ann-Kristina lebt seit 2012 in Südafrika und schreibt von Kapstadt aus über Reise- und Naturthemen aus dem südlichen und östlichen Afrika. Während ihres Studiums lebte sie in Lettland, Kenia, Thailand und Südafrika, wo sie schließlich ihr Politik- und Soziologiestudium abschloss. Im bunten Kapstadt ist sie nun zu Hause, packt aber bei der nächstbesten Gelegenheit gleich Zelt und Wanderschuhe ein, um die Natur des Western Capes zu genießen.

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