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Wasserkrise in Kapstadt: warum der Elefant-Tours Gründer in einer Plastikwanne duscht

Kapstadts Wasserkrise ist ernst, aber kein Grund, nicht in die schönste Stadt der Welt zu reisen.

Wir sagen Ihnen, wie es momentan vor Ort aussieht und was Sie als Besucher tun können, um Wasser zu sparen und dennoch eine unvergessliche Zeit am Kap zu haben.

 

Wie kam es zu dieser Situation?

Kapstadt bezieht sein Wasser aus umliegenden Dämmen, der größte und für etwas mehr als 40 Prozent der Wasserzufuhr verantwortlich ist der Theewaterskloof Damm nahe Villiersdorp. Während die Jahre 2013 und 2014 noch genügend Regen brachten, blieb es in Kapstadt in den Jahren 2015, 2016 und besonders 2017 trocken. Im Juni, Juli und August erwarten die Kapstädter den Winterregen; doch der Himmel blieb in den vergangenen Jahren blau. Zusätzlich zu dieser extremen Dürre, steigt die Bevölkerung Kapstadts seit Jahren kontinuierlich an. Mehr und mehr Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die Stadt am Kap, 2018 leben hier mehr als 4 Millionen Menschen. Mehr Menschen, kaum Regen – die Rechnung geht langfristig nicht auf.

Während die Regierung nach kurzfristigen und langfristigen Lösungen sucht, muss sich die Bevölkerung auf Wassersparen als Normalzustand umstellen.

 

Wie sieht die Lage vor Ort aus?

Seit 2016 gelten für Kapstadts Bevölkerung Wasserrestriktionen. Während diese Restriktionen zu Anfang nur regelten, wann Blumen gegossen und Autos gewaschen werden dürfen, verschärften sie sich immer weiter, bis es im Februar 2018 hieß: Pro Person und Tag dürfen ab jetzt nicht mehr als 50 Liter Wasser verbraucht werden. Ans Blumen gießen denkt schon lange niemand mehr.

Stattdessen wird Wassersparen Teil des Alltags – genau wie für unsere Kollegen in unserer Zweigstelle in Somerset West, kurz außerhalb Kapstadts: „Wir stellen uns zu Hause beim Duschen in eine Plastikwanne und nutzen das Duschwasser für die Toilettenspülung”, sagt Elefant-Tours Gründer Holger Wiebe. Und geduscht wird höchstens eineinhalb Minuten. Lokale Künstler veröffentlichten ihre beliebten Songs als zweiminütige Duschversion; die „2-minute shower songs“ motivieren zum Wassersparen. Reiseexperte Henning Meyer verwendet zu Hause das Wasser der Waschmaschine wieder: „Das Wasser, das normalerweise aus der Waschmaschine abgepumpt wird, leiten wir in einen Container um.“ Knapp 90 Liter werden somit wiederverwendet statt den Abfluss hinunterzufließen.

Auch im Elefant-Tours Büro wird Wasser in Spül- und Waschbecken aufgefangen, um es für die Toilettenspülung zu nutzen.

Im Kapstadt 2018 ganz normal.

Der Shimmy Beach Club an Kapstadts Waterfront ermutigt seine Gäste zum Wassersparen

Während die Kapstädter immer kreativer werden und stetig neue Lösungen finden, noch mehr Wasser einzusparen, ist die Lage im Rest des Landes entspannter. Südafrika ist allgemein ein wasserarmes Land und Wasser seit jeher eine kostbare Ressource, die es zu schützen gilt. Wasserverschwendung war und ist also in keiner Region gern gesehen. Doch beschränkt sich die extreme Dürre und die scharfen Wasserbeschränkungen auf die Stadt Kapstadt. Andere Regionen des Landes haben genügend Wasser und keine Restriktionen.

Und auch wer nur 50 Liter pro Tag verbraucht, erlebt in einer der schönsten Städte der Welt unvergessliche Tage: Auf den Tafelberg klettern, an der Waterfront das Treiben beobachten, im Bo-Kaap Selfies machen, den Chapman’s Peak entlang fahren, im Zeitz MOCCA afrikanische Kunst bewundern und in der Herbstsonne leckere Weine genießen – Kapstadts Touristenattraktionen sind geöffnet und freuen sich auf Besucher.

 

Sollte ich meine Reise nach Kapstadt absagen?

Die kurze Antwort lautet: Nein, denn die gutgemeinten Absichten wirken sich eher negativ auf die Stadt und ihre Einwohner aus.

„Ich will niemandem das Wasser wegtrinken, vielleicht fliege ich lieber nicht nach Kapstadt“ – solche oder ähnliche Gedanken treiben so manchen bei der Reiseplanung um. Doch wer so verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll denkt, ist in Kapstadt mehr als herzlich willkommen!

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Stadt Kapstadt. Direkt und indirekt hängen rund 300.000 Arbeitsplätze vom Tourismus ab. Bleiben zusätzlich zum Regen auch noch die Touristen der Stadt fern, würde dies die Situation nur noch verschlimmern. Deshalb spricht sich die Stadt klar dafür aus: Touristen sind willkommen! Solange sie achtsam mit den Wasserressourcen umgehen. Internationale Touristen, so der Tourismus-Verband Wesgro, erhöhen die Bevölkerungszahl im Western Cape um nur 1 Prozent. Außerdem verbringen die meisten nur einige wenige Tage in Kapstadt, bevor sie andere Regionen des Landes besuchen.

Statt der Stadt zur Last zu fallen, könnten Touristen sogar positive Auswirkungen haben, so Wesgro: Durch die anhaltende Dürre sind viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gegangen. Diese können im Tourismus wieder aufgefangen werden.

 

Wie verhalte ich mich vor Ort?

Das Motivierende am Wassersparen: Schon kleine Maßnahmen haben große Wirkung! Setzen Sie die folgenden Tipps um und sparen Sie, wie die Einheimischen, „save like a local“:

  • Beschränken Sie Ihre Dusche auf 1,5-minütige „Start, Stopp“-Duschen.
  • Bestellen Sie im Restaurant kein Leitungswasser.
  • Bestellen Sie Pizza statt Pasta.
  • Verschieben Sie das Waschen der Reisewäsche auf den nächsten Stopp Ihrer Reise.
  • Nutzen Sie die Toilettenspülung nur, wenn nötig.
  • Fragen Sie in Ihrer Unterkunft nach Wassersparmaßnahmen und signalisieren Sie, dass Sie gerne Ihr Mögliches dazu beitragen.
  • Melden Sie Wasserlecks und undichte Stellen, sollten Sie solche bemerken.

Mit diesem Wasserrechner können Sie schnell sehen, wie viel Wasser Sie täglich verbrauchen.

Die Situation in Kapstadt legt einmal mehr offen, dass es beim Reisen in Afrika um mehr geht als nur um schöne Sonnenuntergänge und leckeres Essen. Es geht auch darum, nach links und rechts zu schauen, um den Kontext zu verstehen, in dem man sich bewegt. Einen besonders guten Eindruck von Land und Leuten bekommen Sie auf einer geführten Tour mit einem lokalen Guide – wie zum Beispiel unserer Tour Faszination Südafrika. Von Ihrem Guide bekommen Sie dann auch noch mehr Tipps, wie Sie mühelos Wasser sparen können.

Wenn Sie Fragen zum Thema Wasserknappheit in Kapstadt haben, hilft Ihnen Ihr Reiseexperte gerne weiter.

Ann-Kristina Rönchen

Ann-Kristina lebt seit 2012 in Südafrika und schreibt von Kapstadt aus über Reise- und Naturthemen aus dem südlichen und östlichen Afrika. Während ihres Studiums lebte sie in Lettland, Kenia, Thailand und Südafrika, wo sie schließlich ihr Politik- und Soziologiestudium abschloss. Im bunten Kapstadt ist sie nun zu Hause, packt aber bei der nächstbesten Gelegenheit gleich Zelt und Wanderschuhe ein, um die Natur des Western Capes zu genießen.

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