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La Réunion – Frankreich einmal anders

Teil 1: Vom Norden über den Westteil La Réunions in den Süden

La Réunion – haben Sie schon einmal davon gehört? Die Insel gehört zu Frankreich, liegt aber fast 10.000 Kilometer südlich davon im Indischen Ozean zwischen Mauritius und Madagaskar. Schon seit einigen Jahren schwebt es mir vor, einmal nach La Réunion zu reisen und die für mich sehr mystisch erscheinende Insel einmal kennen zu lernen.

Als alter „Afrika-Fan“ kamen aber immer wieder Reisen ins südliche Afrika „dazwischen“.

Im Juni 2014 war es dann aber soweit und ich war für Elefant-Tours auf La Réunion unterwegs. Bei der Reisevorbereitung beschäftigten mich viele Fragen: Was erwartet mich denn dort? Hatte ich mich ausreichend vorbereitet? Wie ist die Mentalität der Insulaner? Wie weit komme ich überhaupt mit meinem rudimentären Französisch zurecht? Schaffe ich es, den Piton des Neiges zu besteigen? Und was passiert, wenn der Vulkan ausbricht…?

Mit Condor flog ich mit meinem Partner von Frankfurt nach Mauritius und weiter mit Air Austral nach La Réunion. Beim Landeanflug musste ich schon etwas schmunzeln, denn die Insel ist tatsächlich sehr überschaubar. La Réunion passt fast fünfzehnmal in die Fläche von Baden-Württemberg und hat so viele Einwohner wie Stuttgart. Aus der Vogelperspektive war auch direkt zu erkennen, dass es sich bei der Insel um eine atemberaubende Naturgewalt handelt. Über 40% der Fläche gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Nach Ankunft traf ich mich mit unserem Partner vor Ort, um die bevorstehende Route noch einmal zu besprechen, dann erfolgte die Mietwagenübernahme. Schon bei den ersten Begegnungen war ich überrascht von der überfreundlichen und zuvorkommenden Art der Einheimischen und fühlte mich sehr wohl. Die Insel ist multikulturell und das Zusammenleben der Bewohner mit ursprünglicher Abstammung aus Afrika, Madagaskar, Indien, China und Frankreich ist sehr harmonisch und friedlich.

Für die erste Nacht ging es nach Saint-Denis ins Hotel Juliette Dodu. Das charmante Hotel liegt mitten im Stadtzentrum, von wo aus man zu Fuß auf Erkundungstour gehen kann. Saint-Denis ist die größte Stadt der Insel, es gibt einige Restaurants, Bars, Cafés sowie Museen und einen kreolischen Markt. Empfehlenswert ist der Besuch des Jardin de Cendrillon, ein botanischer Garten, in dem man einen ersten Einblick in die beeindruckende Flora-Vielfalt bekommt.

Von Saint-Denis  fuhren wir weiter zur Westküste. Auf meiner „Erkundungsliste“ stand der Aussichtspunkt Cap Noir. Eine kleine Passstraße führte ins Landesinnere bis zu einem Parkplatz, von dort aus ging es zu Fuß weiter. Nach einem ca. zehnminütigen Spaziergang waren wir am Aussichtspunkt. Völlig überwältigt von dem Blick in den Kessel von Mafate, zog mich die Insel nun fortan in ihren Bann. Auf Bildern scheint alles so unwirklich und wenn man dann vor einer solchen Bergkulisse steht, könnte man glauben, im Märchenland zu sein. Vom Aussichtspunkt war ein anderer einladender Wanderpfad erkennbar. Somit dachten wir, wir nehmen den doch sehr einladenden Wanderpfad zurück, man muss ja nicht dieselbe Strecke zurücklegen, die man schon kennt. Nach ca. einer Stunde Fußmarsch stets bergauf war klar, dass es sich um keine zehn Minuten zurück handelt. Letztlich wurden aus geplanten zwanzig Minuten zwei schweißtreibende Stunden auf einen Gipfel mit wieder einer atemberaubenden Aussicht und einem treppenartigen Abstieg zurück zum Parkplatz. Die Wanderkarte hätte man sich im Vorfeld ja einmal anschauen können. Aber gelohnt hat sich der ungeplante Umweg allemal.

Cap-Noir---Mafate

Weiter ging es zur Westküste in die Umgebung von Saint-Gilles-les-Bains. Vier Nächte waren dort geplant. Mein Partner hatte sich dort für einen Tauchkurs angemeldet, während ich auf Hotelbesichtigungen war. Auf La Réunion gibt es für jedes Budget eine passende Unterkunft. Von der einfachen Pension bis hin zur gehobenen Klasse ist von allem etwas zu finden. Bei allen Besichtigungen, die ich machte, gab es nie einen „Reinfall“ oder gar eine „Bruchbude“. Gerade auch die einfachen Gästehäuser und Hotels sind stets bemüht, ihre Unterkunft instand und sauber zu halten. Auch wenn kein Geld für Umbauten oder Großrenovierungen da ist, ist erkennbar, dass die Wände regelmäßig gestrichen werden und die Möbel gut instand gehalten werden. Natürlich gibt es wie auch in anderen Ländern mit einem tropisch feucht-warmen Klima diverse Kleinbesucher, die den Weg in ein Hotelgebäude schaffen. Das lässt sich aber auch in den besten Hotels nicht vermeiden. Falls man also einmal unangemeldeten Besuch hat, ruft man einen Mitarbeiter zur „Hilfe“. Immer wieder auffallend war die Freundlichkeit der Angestellten und Manager.

An der Westküste verbrachten wir Zeit in Boucan Canot, Saint-Gilles-les-Bains und La Saline les Bains. Boucan Canot ist ein sehr kleiner, überschaubarer Ort mit einer Hauptstraße, an der es zwei Geschäfte und vielleicht drei Restaurants gibt. An den Wochenenden treffen sich hier auch viele Einheimische oder Geschäftsleute zum Sundowner und Abendessen in den Hotels und Restaurants entlang der Uferpromenade, um „sehen und gesehen zu werden“. Somit ist der Ort sowas wie das “Mini Monaco” von La Réunion. In den Hotelbars gibt es Live-Musik oder ein DJ legt Lounge-Musik auf. Das ist nicht ganz unwichtig für Reisende, die hier am Wochenende eingebucht sind und ggf. ihre Ruhe genießen wollen. Der weiße Puderzuckerstrand lädt zum Entspannen ein, jedoch weniger zum Baden, da es hier keine Lagune gibt und das offene Meer eher ideale Surf-Bedingungen bietet. Ein Hotel, das mich sehr beeindruckt hat aufgrund seiner außergewöhnlichen Bauweise und Originalität, ist das Hotel Saint Alexis. Wer sich also nach einer anstrengenden Wanderung etwas Besonderes gönnen möchte, sollte hier hin.

Boucan-Canot

Die größere Stadt an der Westküste ist Saint-Gilles-les-Bains, der einzige Ort mit mehreren Geschäften und Restaurants. Rund um die Stadt gibt es weitere Orte bzw. Strandabschnitte wie L‘Ermitage sowie La Saline les Bains. Dort liegen einige Hotels wie z.B. das Nautile direkt an der Lagune – die größte Lagune an der Insel, die zum Schnorcheln und Kajak fahren einlädt sowie natürlich zum Baden und Entspannen am Ende einer aktiven La Réunion-Reise. Es gibt ein paar Tauchschulen, in denen man Kurse oder, mit entsprechender Lizenz, Tauchausflüge unternehmen kann. Die bunte Unterwasserwelt zu erkunden, ist für Taucher ein Muss. Auch Hochseeangler kommen auf ihre Kosten. Da ich immer etwas „Action“ brauche, hatte ich mich auf eine Downhill-Bike-Tour angemeldet, die vom Aussichtspunkt Piton Maido nach Saint-Gilles-les-Bains führt. Beim Anmelden war mir nicht ganz bewusst, auf was ich mich da einlasse. Der Guide meinte nur, ich müsse in der Lage sein, einen halben Tag auf einem Bike zu stehen… das ist natürlich kein Problem. Die Fahrt mit dem Bus zum Aussichtspunkt war recht spektakulär und der Blick über den Piton Maido wieder einmal überwältigend. Danach ging es in voller Schutzmontur für vier Stunden auf einer Downhill-Strecke über Lava-Gestein und durch Zuckerrohrplantagen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und etwas Bammel hatte ich dann aber den Dreh raus und der Spaßfaktor lag bei 100%. Auch wenn es einige Abschnitte gab, bei denen ich nicht mehr sicher war, ob ich das ohne Sturz und blaue Flecken überstehe. Noch unter vollem Adrenalin wieder an der Küste angekommen, gab es erst einmal eine Flasche Rum zur Feier der gemeisterten Tour. Rum gibt es immer und überall und gilt als Nationalgetränk der Insel. Dazu aber später mehr. Für Ungeübte ist solch ein Trip eher weniger geeignet, aber wer viel mit dem Bike unterwegs ist und das immer schon einmal ausprobieren wollte oder der bereits Downhill fährt, ist es sehr empfehlenswert. Ordentliche Mountainbikes sowie volle Schutzmontur werden gestellt.

Downhill-Bike-trip-Piton-Maido

Von der Westküste fuhren wir in Richtung Süden. Auf dem Weg stoppten wir in Saint-Leu, einem kleinen Ort an der „wilden, schwarzen Küste“. Das ist Paragliding-Domizil schlechthin. Vom gemütlichen Iloha Resort kann man von der Terrasse aus die Paraglider beobachten und wer selbst einmal fliegen möchte, sollte das hier tun. Weiter ging es bis nach Saint-Louis. Die Straße dorthin führt direkt entlang der Küste mit einigen Aussichtspunkten. Die Küste ist sehr „wild“, das Meer prallt direkt auf die Klippen. Ein dramatisch-schönes Bild. Es gibt einen Badeort, L’Étang-Salé-les-Bains, mit dunklem Sandstrand und ideal für einen Picknick-Stopp mit einer anschließenden Abkühlung im Wasser. Saint-Louis ist eine größere Stadt im Südwesten der Insel mit einem großen Markt und vielen Shops und bot somit die perfekte Gelegenheit, um noch preiswert für die bevorstehende Zweitageswanderung einzukaufen.

Etang-Salé

Nach einem Tag abwechslungsreicher Küste ging es ins Landesinnere nach Cilaos. Die Anfahrt nach Cialos ist sehr beeindruckend, eine Passstraße mit über 400 Kurven und Kehren sowie ein paar engen Tunneln. Das Hotel Tsilaosa liegt in der Stadt oder wohl eher Bergdörfchen und ist ein Platz zum Wohlfühlen. Die Zimmer sind mit einem kleinen Whirlpool ausgestattet – genau das Richtige nach einer Wanderung. Außerdem gibt es einen Weinkeller, in dem man an einer Weinverkostung teilnehmen kann. Cilaos liegt sehr idyllisch inmitten eines atemberaubenden Bergpanoramas. Von jedem Punkt aus sieht man u.a. auf den Piton des Neiges, den größten Berg der Insel. Es gibt ein paar Läden und Bäckereien sowie ein paar Restaurants und eine Vielzahl von Gites zur Beherbergung der zahlreichen Wandertouristen. Auch für die Einheimischen ist Cilaos und die umliegenden Bergrouten ein beliebtes Ausflugsziel. Hier können auch Abenteuerlustige auf ihre Kosten kommen mit Downhill-Biken, Canyoning, Paragliding und natürlich Wandern. Ich war etwas nervös, da uns die Besteigung des Piton des Neiges, des mit 3.071 Metern höchsten Bergs der Insel, bevorstand.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem stärkenden Frühstück und mit ordentlich Wanderproviant auf den Weg. Von einer Hotel-Mitarbeiterin wurden wir zum Parkplatz Le Bloc gefahren. Von dort aus beginnt der Anstieg zur Berghütte Caverne Dufour. Der Anstieg dauert ca. 3-6 Stunden, je nach Tempo, Fitnesslevel und Pausen. Durch einen malerischen Bergwald geht es kontinuierlich über viele treppenartige Stufen und Steine in Serpentinen bergauf. Man gelangt immer wieder an kleine Aussichtspunkte mit Blick auf Cilaos, welches nach und nach immer kleiner erscheint.  Die Wanderung bis zur Hütte war meinem Empfinden nach sehr anspruchsvoll und kräftezehrend. Hier muss man schon eine gewisse Grundfitness mitbringen, vor allem aber Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Wir konnten die erste Etappe bis zur Hütte in ca. 3,5 Stunden bewältigen und wie war ich froh, endlich am ersten Ziel angekommen zu sein! Bei der Hütte gibt es einige schöne Picknickplätze, wo wir uns erst einmal erholen und stärken konnten. Hier ist es wichtig, dass man selbst etwas Verpflegung dabei hat, denn der Hüttenwirt, bei dem man einen warmen Tee oder ein Bier bestellen kann, öffnet erst um 16 Uhr. Auch aus diesem Grund sollte man sich nicht früher als 10-11 Uhr auf den Weg machen, da man sonst nur lange an der Hütte warten muss. Nach und nach treffen immer wieder andere Wanderer ein, bis letztlich die gesamte Hütte und somit jedes Bett im Schlafsaal belegt war. Um 18.30 Uhr gab es dann ein deftiges, kreolisches Essen. Das besteht immer aus Reis mit Bohnen und einem Fleischgericht, dazu Wasser und natürlich Rum. Die Küche schließt um 21 Uhr, dann werden auch die Gäste zu Bett gebeten.

Weg-zum-Piton-de-Neiges

Von Leuten, welche den Aufstieg schon bewältigt hatten, wurden wir davor gewarnt, den Aufstieg zu früh zu beginnen. Auf dem Gipfel ist es frühmorgens sehr kalt und windig. So ermittelten wir gemeinsam mit ein paar anderen Wanderern, die wir in der Hütte trafen, den genauen Zeitpunkt des Sonnenaufgangs und stellten unsere Wecker. Die meisten anderen in unserem Stockbett-Schlafsaal hatten diesen Tipp „offenhöhrlich“ nicht mitbekommen. So drehten wir uns nach deren lautstarkem Aufbruch noch einmal um und schliefen weitere eineinhalb Stunden.

Den Aufstieg zum Gipfel empfand ich vom Anstieg her nicht mehr so extrem wie die erste Etappe. Die Dunkelheit fordert jedoch höchste Konzentration und man findet nur mit einer Stirn- oder Taschenlampe den Geröllpfad hinauf. Dieser ist durch Farbmarkierungen an den Steinen gekennzeichnet. Warme Kleidung ist dringend erforderlich, da es am frühen Morgen und gerade im Winter empfindlich kalt wird und es auf dem Gipfel auch stark windet. Nach knapp eineinhalb Stunden im zügigen Wanderschritt und noch kurz vor dem Sonnenaufgang erreichten wir den Gipfel. Unsere Mitbewohner lagen derweil bereits über eine Stunde schlotternd, sich gegenseitig Wärme spendend, und in silberne Notfalldecken gewickelt um das Gipfelkreuz herum. Wie schön, wenn ein Plan funktioniert! Der Sonnenaufgang war ein atemberaubender Moment mit einem grandiosen Farbenspiel. Ich war zutiefst beeindruckt und stolz, dies erleben zu dürfen. Der Blick über die Insel von Küste zu Küste und die unter einem durchziehenden Wolkenfelder waren wahrlich unbeschreiblich schön.

Top-of-Piton-de-Neiges

Piton-de-Neiges

Nach einigen Fotos und einer Pause ging es auf den Rückweg hinunter zur Hütte. Hier erwartete uns ein typisch französisches Frühstück mit Weißbrot und Marmelade. Na ja, wir hatten ja genug Proviant dabei. Nun hieß es, nur nicht zu viel Zeit verlieren, denn der Abstieg kostet ebenfalls viel Energie, und so machten wir uns mit ein paar anderen Gästen auf nach Cilaos. Der Abstieg war etwas mühsam, jedoch kamen wir nach vier Stunden am Ausgangspunkt an. Eigentlich eine passable Zeit, die aber durchaus unterboten werden kann. Am Le Bloc Parkplatz erleichtert angekommen, fuhren wir mit dem nächsten Bus ins Zentrum von Cilaos. Nach einem unvergesslichen Abenteuer kamen wir erschöpft an unserem Hotel Le Vieux Cep an, wo wir uns im Whirlpool entspannen konnten. Nachdem sich mittlerweile eine gewisse Sättigung an traditionellem Carry (Reis, Bohnen und Fleisch) eingestellt hatte, ließen wir den Tag in einem italienischen Restaurant mit Pizza und Rotwein ausklingen. Als Fazit kann ich nur jedem, der gut zu Fuß ist, empfehlen, diesen Gipfel zu besteigen – ein einmalig schönes Erlebnis.

Marina Wehrle

Head of Sales / Product Manager

Immer auf der Suche nach „Ihrem Kontinent“, bereiste Marina u.a. Kanada, Australien, Südamerika und Teile Europas. Ihr Hobby hat sie zum Beruf gemacht, absolvierte eine Ausbildung zur Touristikassistentin und arbeitete einige Jahre bei einem Fernreisespezialisten. Währenddessen wagte Sie sich 2007 das erste Mal alleine nach Südafrika. Hier hat auch Sie sich mit dem „Afrika-Reise-Virus“ infiziert und bereiste fortan intensiv das Südliche Afrika. 2011 verbrachte Sie acht Monate dort. Als Volontär auf einer Wildfarm in Namibia durfte Sie das Leben im Wüstenland hautnah erfahren. Bei verschiedenen anderen Projekten konnte Sie den südafrikanischen Busch im Big 5 Gebiet, sowie die Kapregion erleben. Während dieser Zeit hat Sie auch das Offroad fahren kennen und lieben gelernt und seither in verschiedenen selbstorganisierten Touren die wohl härtesten Allradstrecken in Namibia und Botswana befahren. Weitere Reisen folgten nach La Réunion, Mauritius sowie nach Sambia und Simbabwe. 2015 ging es hoch hinauf, sie erfüllte sich Ihren Traum und bestieg den Mt. Kilimanjaro in Tansania. Mir Ihrer Expertise berät Marina Sie gerne über Ihre Reise ins Südliche Afrika.

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